Das Netz bleibt nicht neutral

Die EU-Kommission hat beschlossen, dass die Zeiten der uneingeschränkten Neutralität im Internet vorbei sind. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff der Netzneutralität? Und weshalb wird die EU-Entscheidung vielfach kritisiert?

Netzneutralität bedeutet, dass Netzbetreiber verpflichtet sind, Datenpakete gleichberechtigt durch die Leitungen zu schicken. Das heißt, dass es bis jetzt zumindest in der Theorie so war, dass der Standort, der Besitzer einer Website und der Inhalt bis jetzt vollkommen irrelevant dafür waren mit welcher Dringlichkeit Daten durch das weltweite Netz geschickt wurden. Eine Selbstverständlichkeit, möchte man denken. Bevor der Begriff Netzneutralität in aller Munde war, machten sich die Wenigsten Gedanken über dieses Phänomen. Doch denkt man einmal genauer darüber nach, so wird klar, dass die Netzneutralität bisher einer der Pfeiler war, die das Internet zu dem gemacht haben, was es heute ist. Doch mittlerweile hat das Internet eine dermaßen große kommerzielle Bedeutung bekommen, dass ein knallharter Verdrängungswettkampf stattfindet. Dazu kommt, dass die versendeten Datenmengen exponentiell ansteigen. Bildlich ausgedrückt: Irgendwann ist in den Leitungen kein Platz mehr für alle Daten. Genau hier kommt die Neuregelung der EU ins Spiel. Anstatt wie bisher alle Daten gleich zu behandeln, soll es nun in Ausnahmefällen gestattet sein, gewisse Daten bevorzugt zu behandeln. Um in der Bildsprache zu bleiben: Während früher alle gleichlang im Stau standen, könnten manche Unternehmen nun die Erlaubnis erhalten, ihre Daten quasi auf dem Standstreifen an den restlichen Wartenden vorbei zu schicken.

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Entscheidung rüttelt an Grundpfeiler des Internets

Die Entscheidung des EU-Parlaments löste prompt Proteste aus. Selbst Tim Berners-Lee, einer der Väter des Internets in seiner jetzigen Form, hatte die Parlamentarier im Vorfeld der Entscheidung vor einer Abschaffung der Netzneutralität gewarnt. Um zu verstehen, weshalb die EU-Entscheidung derart hohe Wellen geschlagen hat, muss man die Geschichte des Internets näher beleuchten. Am Anfang war das World Wide Web ein Tummelplatz von Computernerds, die mit der Schaffung eines weltumspannenden Netzes ideologische Motive vertraten. Teil dieser Ideologie war eben, dass im Netz absolute Gleichberechtigung für jeden herrschen sollte. Genau um diese Gleichberechtigung fürchten manche Experten nun. Dabei war diese Entwicklung abzusehen. Die immer stärker werdende Kommerzialisierung hatte das Internet schon seit Langem von dessen eigentlicher Zielsetzung entfernt. Die Aufweichung der Netzneutralität zu Gunsten solventer Unternehmen ist dabei nur ein folgerichtiger Schritt.

Unternehmen profitieren

Die Möglichkeit, ständig auf Online-Ressourcen zugreifen zu können, ist für den Privatanwender mittlerweile beinahe eine Selbstverständlichkeit. Dieses Potenzial möchten auch Unternehmen vermehrt ausschöpfen. So bietet Dell BYOD Angestellten die Möglichkeit, die Trennung von privater und geschäftlicher Hardware aufzugeben und stattdessen ein Gerät für beide Lebensbereiche zu nutzen. Die Folge liegt auf der Hand: Das Datenaufkommen des Internets wird in den kommenden Jahren noch rascher steigen, als es in der Vergangenheit der Fall war. Die Kapazitäten der Leitungen allerdings, wie zuvor beschrieben, sind endlich. Somit sind größere Unternehmen sehr an einer Aufweichung der Netzneutralität interessiert, um sowohl den eigenen Mitarbeitern, als auch den Kunden möglichst schnelle Übertragungen der Datenpakete in Aussicht stellen zu können.

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