J. Dilla – The Diary (Review)

Auch wenn die Dichte derer, deren Leben der 2006 viel zu früh verstorbene J. Dilla verändert hat, in den letzten Jahren sichtbar abnahm – der Einfluß den Dilla als Produzent nicht nur auf Rap hatte ist nachwievor immens. Heute erscheint „The Diary“ über PayDay/MassAppeal Records, das letzte Rapalbum, an welchem Dilla noch zu Lebzeiten gearbeitet hat.

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2002 sollte das Album ursprünglich erscheinen. Der Plan war Dillas Status als Producer Genie und Teil der Soulquarians (unter anderem war er am Erfolg von Erykah Badu, D’Angelo, Common und anderen in den 90ern verantwortlich) zu nutzen und so eine Rapplatte zu produzieren. Am Ende wurde das Projekt auf Eis gelegt, Dilla hatte fertig mit dem Major Game und ging nach LA. Nicht die schlechteste Entscheidung, schließlich folgten auf den Umzug das Jaylib Album, Ruff Draft und Donuts – Klassiker.

Überraschenderweise hört man dem von Eothen Alapatt (Creative Director von Dilla, Donuts A&R, Stones Throw GM) das Alter nicht an. Das liegt zum einen an der Arbeit Alapatts, der auf dem Album von samtig rollendem G-Funk („Gangsta Boogie“ mit Snoop und Kokane), klassischen Boombap Joints, ironischen Schlafzimmer Soul mit Bilal („The Ex“) bis hin zu smoothem Südstaaten Proto-Trap eine Bandbreite an Styles auffährt, ohne sich in Beliebigkeit zu verlieren.

Dilla selbst nimmt als Rapper auf dem Album schon vorweg wohin die Reise gehen wird in Zukunft für ihn, auch musikalisch. Am deutlichsten wird das auf dem Bonustrack „The Sickness“ mit Nas, der sich wie eine Blaupause des Jaylib Sounds klingt:

Man hört auch den Hunger von Dilla auch als Rapper selber in den Vordergrund treten zu wollen (vorher war er der Mann hinter den Reglern), „The Introduction“, „The Anthem“, „Fight Club“ zeigen einen Rapper, der es wissen will. Mit „Fuck the Police“ gibt es dann nicht nur ein politisches Statement samt thematischer N.W.A. Referenz, auch der Sound ist ein respektvolles würdigen des Westcoast Klassikers.

Einen Ausfall gibt es nicht, die Zusammensetzung des Album macht es wie gesagt sehr gut durchhörbar und dann gibt es dass bereits kurz erwähnte „Trucks“: Eine unverschämt catchy Hook, Basslines und Drums die gleichermaßen nach Detroit und Südstaaten klingen und Flows, die einem phasenweise sehr bekannt vorkommen. Kurzum: ein Hit für alle vom Trapkid in Fufu Yeezys bis zum Echthalter mit enggeschnalltem Jansport.

Und letztendlich ist es genau das, was J. Dilla immer schon ausgezeichnet hat: Musik zu machen, die für alle zugänglich ist, sich ihrer mannigfaltigen Wurzeln bewusst aber eben nicht „ein bisschen was von allem“ ist, sondern sich schlicht durch Qualität überzeugt. Und das war Dilla als Rapper oder Prodzent: dope.