Netflix : Hip-Hop Evolution. Und ich so …. Yes!

Netflix hat eine sechsteilige Dokumentation, Hip-Hop Evolution, zum Thema „Hip Hop“ produziert und heimlich, still und leise online gestellt.

Warum mich das persönlich glücklich macht und ich die erste Folge gestern verschlungen habe, erzähle ich euch jetzt.

Hip-Hop EvolutionIch bin und war ja vieles in meinem Leben. Zum Beispiel Blogger und Dienstleister im Bereich Online. Aber auch Sneaker- und Klamotten-Liebhaber. Das wisst ihr, die ihr diese Seite in den letzten 10 Jahren verfolgt habt.

Das ich aber auch Teil der deutschen Hip-Hop Kultur war, meist als „Dokumentator“ unterwegs, wie es DJ Lifeforce einmal ausdrückte, das wissen nicht ganz so viele. Denn als z.B. Advanced Chemistry, STF und meine anderen Freunde der Kölner Schule aktiv waren, Freestyle und Wordcup in Berlin und Köln für VIVA produziert wurden, Fab Five Freddy, Ed Lover und Dr. Dre Yo! MTV Raps moderierten … etc. da waren viele meiner Leser noch ganz klein, noch nicht geboren oder interessierten sich nicht für die – damals noch verhältnismäßig junge – Musikkultur Hip-Hop.

Ich war damals fasziniert von Rap, habe selber Tapes produziert. Durch die Nähe zu Venlo, wo es einen sehr gut sortierten Plattenladen gab, hatte ich immer alles an Musik, was wichtig war. Aber auch in New York, London und in anderen Städten, die besuchte, ging ich auf Jagd nach guter Musik. Egal, ob als Cassette, Vinyl oder auch CD. Ich hatte da keine Scheuklappen. Wenn ich den Zulu War Chant von Afrika Bamabaataa, den ich seit eines Sets meines Kumpels Stylewarz in der Münchener Muffathalle noch mehr feiere, nicht als Vinyl bekommen konnte, musste er eben als CD her,… oder sonst irgendwie.

Ich liebte die Kultur, die Jams, die B-Boys auf dem Linolium… und die Writer,… WANE COD, MODE 2, SEEN … und COPE 2, die ich in meinem Leben kennenlernen durfte. Oder aber auch lokale Heros wie Zebster, SEAK, Maze, Loomit etc, die ich auf Events immer wieder traf.

Hip-Hop EvolutionIch lernte viel über die Hip-Hop Kultur von meinem Mentor Lucky Strike, der Afrika Bambaataa als Teil des Zulu World Councils zuarbeitete. Ich wollte Mitglied werden und habe stundelang mit ihm in New York telefoniert, Briefe geschrieben und mich bei den Herrschaften offzielle um eine Mitgliedschaft beworben. Zulu King Ben in Berlin, Storm, Cora E, Katmando in München und einige andere Zulu Nation Mitglieder, darunter auch KRS-One bei einem Konzert (in Köln?) erweckten in mir den Wunsch danach. Ich mochte die Idee hinter der Nation. Ich trank damals schon nicht, rauchte nicht und nahm auch keine Drogen. Bis heute ist das so.

Das fanden viele Menschen in meiner kleinbürgerlichen Heimat auf dem Land komisch und dichteten mir Gott-weiß-was für Dinge an, nur um sich mein Verhalten zu erklären.

Ich liebte Rap und die Message, die dort verbreitet wurde. Nicht nur die „alte Schule“, die Pioniere, sondern auch ihre Schüler, später auch die Gangster-Rapper der Westküste, RUN DMC, die Latin Alliance an der Westküste, Cypress Hill, Kid Frost, … etc. Beastie Boys, House of Pain, mit denen ich bis heute eine lose Freundschaft pflege… etc. Was soll ich hier groß reden. Die Geschichte der Kultur war mir wichtig, der Zusammenhalt, die Community auf den Jams und das wir, später als Chapterleader der Zulu Nation in Köln, einfach eine Menge guter Sachen organsiiert haben und teilweise 30-50 Mitglieder hatten, die das Ganze genauso sahen wie wir.

Rick Ski, sein Bruder Future Rock, die STF Crew, DJ Back-Q, Maze und viele andere Persönlichkeiten waren Teil des Chapters oder unterstützten dieses nach Kräften. Hip Hop ist mein Leben, immer noch … auch wenn Job, Familie und meine generelle Entwicklung das Ganze ein wenig haben zur Ruhe kommen lassen.

Erst gestern las ich im Netz davon, dass Masta Ace 50 geworden ist und quasi jeder war dabei. Sogar Eminem schaltete sich per Skype dazu und bedankte sich bei Ace für seinen Support und den Einfluss, den er auf seine Karriere gehabt hat. Wenn dann auch noch Leshea, Big Daddy Kane und – ich habe es gesagt – so ziemlich jeder aus New York, das Mic nimmt und performt … dann ist das genau das, was ich meine. Jam-Charakter,  Unity, Love … and Having Fun!

mtqzmzuyodc4nji1ndy1oti4Auch gestern bin ich, um mal wieder zum Thema zu kommen, über die erste Folge der neuen Netflix-Dokumentation „Hip-Hop Evolution“ gestolpert und habe die knapp 50 Sekunden förmlich aufgesogen. Denn diese Dokumentation ist die beste, die ich je gesehen habe.

Das Team hinter Metal: A Headbanger’s Journey hat hier beste Arbeit geleistet und der Moderator, Rapper Shad, führt so entspannt durch die ersten Jahre der Kultur, gespickt mit Interviews und – besonders – Live-Footage von damals.

Ich habe mich so sehr an Jams erinnert gefühlt, die ich 20 Jahre später in der Bronx, in den Neunzigern, in Queens oder in irgendwelchen Ballrooms in Manhattan mitgefeiert habe. An Reisen mit Freunden und auch alleine, mehrmals im Jahr, nach New York zu Rock Steady – und Zulu Nation – Anniversaries. An gemietete Wohnungen, Hotels ohne Bad im Zimmer und an eine geile Zeit. Zu einer Zeit als das Leben noch weniger ereignisreich war.

Soweit ich sehe hat Hip-Hop Evolution ganze sechs Teile, die ich mir alle in den nächsten Tagen ansehen werde. Wer aber allumfassend, von den Menschen, die das Ganze er- und gelebt haben, über die Geschichte der Musikkultur Hip-Hop informiert werden möchte, der sollte hier mal reinschauen, wenn er die Möglichkeit hat.

Hier kannst du Dir Hip-Hop Evolution ansehen.