Frei.Wild-Fans und der Shitstorm auf falschen Facebook-Seiten

Fehler, Gruppe existiert nicht! Überprüfen Sie Ihre Syntax! (ID: 6)

Shitstorm [ˈʃɪtstɔːm], (englisch shitstorm „chaotische, ungute Situation“) bezeichnet im Deutschen das Auftreten des als Flamewar bekannten Phänomens bei Diskussionen im Rahmen von sozialen Netzwerken, Blogs oder Kommentarfunktionen von Internetseiten. Massenhafte öffentliche Entrüstung führt dazu, dass sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beiträgen vermischt und eine sinnvolle Diskussion dadurch verhindert wird. Der Duden definiert einen Shitstorm als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“.

Wenn es heutzutage um Social Media geht, dann ist der Shitstorm ein gern eingesetztes Stilmittel. Der Shitstorm taucht immer dann auf, wenn es um etwas geht, dass einer großen Gruppe gegen den virtuellen Strich geht. Normalerweise wird so ein Shitstorm präzise und zielgerichtet auf klar definierte Ziele wie z.B. Unternehmensseiten losgelassen.

Die Vorgeschichte des Shitstorms – Echo, Mia, Kraftklub und so …

Der aktuellste Shitstorm hängt mit der Echo-Nominierung der Band „Frei.Wild“ zusammen, der eine rechte Vergangenheit und Gesinnung nachgesagt wird. Ich habe absolut keine Ahnung von dieser Band, noch ihren Texten und werde auch nicht die Zeit aufbringen, mich damit zu beschäftigen – nur um das vorab mal klarzustellen. Mir geht´s hier nur um das seltsame Phänomen, das die Fans der Band in den letzten Tagen ausgelöst haben.

Also, Frei.Wild wird für den deutschen Musikpreis „Echo“ nominiert und wie es bei Musikpreisen so ist, gibt es natürlich noch weitere nomierte Bands wie Kraftklub und MIA. Sobald diese beiden Bands davon erfahren haben, dass sie mit Frei.Wild nominiert sind, bitten sie, nicht mehr für den Echo nominiert zu sein. Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), der den Musikpreis vergibt, reagiert und nimmt Frei.Wild von der Liste und hofft, den medialen Aufruhr wieder in den Griff zu bekommen.

Aber jetzt geht´s erst richtig los!

Die Fans der Band sind verständlicherweise sehr enttäuscht von der Entscheidung, hätte Frei.Wild in ihren Augen den Titel doch schon so gut wie in der Tasche gehabt. Und was macht ein enttäuschter Fan, der sich schlecht behandelt fühlt? Richtig! Er greift auf das Stilmittel des Shitstorms zurück! Einfach mal „MIA“ bei Facebook eingeben und sofort losschimpfen … dumm nur, dass es die falsche Band ist!

Denn statt auf der Seite von Mia aus Berlin wird die arme M.I.A. aus Großbritannien zugespammt. Die Arme muss aus allen Wolken fallen, wenn sie auf einmal die Kommentare einer Horde wildgewordener Deutscher auf ihrer Seite entdeckt. Zum Glück gibt´s zwischendurch ein paar Menschen, die so nett sind und dem aufgebrachten Pöbel beibringen, dass sie an der total falschen Adresse gelandet ssind

Aber leider gehen die mäßigenden Kommentare im Shitstorm ziemlich unter, da ja immer wieder neue Kommentare nachrücken. Erst durch einen Artikel im Leitmedium der Frei.Wild-Fans schaffte es die BILD, den Shitstorm zu beenden. Die Fans erwachten anscheinend aus ihrem Blutrausch, haben sich mal den Rest der Seite angeschaut und festgestellt, dass sie da wirklich an der falschen Tür geklingelt hatten. Naja, Shit(storm) happens.

War´s das schon?

Nein, leider nicht ganz. Die BILD hat leider nur aufgeklärt, dass M.I.A. nicht Mia ist. Aber dass Kraftwerk nix mit Kraftklub zu tun hat, stand leider nirgendwo (leider wurde der Post schon wieder gelöscht).

Und was lernen wir daraus?

Ein geschickt platzierter Shitstorm sorgt für enorme Reaktionen in der Medienwelt. Es scheint gerade so, als würde sich jeder auf einen Shitstorm stürzen, sobald irgendwo einer auftaucht. In der Vergangenheit konnten damit schon einige „Erfolge“ verbucht werden, wenn man z.B. an den Aufruhr bei Nestlé zurückdenkt, als Greenpeace schwere Geschütze auffahren ließ und so den Weltkonzern in die Knie zwang.

Im Frei.Wild-Shitstorm bin ich mir aber selbst nicht sicher, wer jetzt wieviel von was überhaupt profitiert.

Klarer Gewinner ist auf jeden Fall die Band Frei.Wild selbst, die durch die Aktionen jetzt erstmal so richtig auf der ganze großen Medienbühne steht. Waren sie vorher wahrscheinlich nur einer kleinen verschworenen Fanbase bekannt, sind sie mit der Berichterstattung der BILD auch in den Fokus einer neuen sehr großen und nur konsumierenden Zielgruppe gerückt. Gerade das finde ich gefährlich, denn wenn da etwas dran ist, dass die Band sehr rechtslastig ist und sie jetzt in einer der auflagenstärksten „Tageszeitungen“ Deutschlands auftauchen, werden sie sicher einige neue Fans abschöpfen können, die „halt die Musik toll finden“. Aber die Texte dürften nur selten hinterfragt werden.

Ein weiterer Gewinner war der BVMI, als er Frei.Wild nominierte. Wahrscheinlich waren die Zuschauerzahlen nicht mehr die besten und man erhoffte sich gute Publicity durch kontroverse Beiträge. Hatten sie ja eigentlich erst letztes Jahr schon geschafft, als Bushido nominiert war und auch gewann. Soviel Aufmerksamkeit für so wenig Geld. Eine ganz schöne Milchmädchen-Rechnung.

Natürlich gewinnen auch Mia und Kraftklub, denn durch ihre Aktionen haben sie in den Augen ihrer Fans  genau das richtige getan.

Und Verlierer der ganzen Aktion ist die arme M.I.A. – oder besser gesagt ihr Social Media Manager, der jetzt schauen darf, wie er den ganzen Quatsch von der Seite bekommt.

Ebenso verloren hat auch Bernhard W., der wahrscheinlich sein restliches Leben im Internet bekannt sein wird als der Mann, der KraftWERK und KraftKLUB nicht unterscheiden konnte. 😉

Mit Infos von Focus, BILD.de und Stern.de
Screenshot der Kraftwerk-FB-Seite via drlima.net

Definition „Shitstorm“ via Wikipedia

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