Die Boateng-Familie: vom Plattenbau bis zum Fußballolymp

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Die Boateng-Familie: vom Plattenbau bis zum Fußballolymp

Kaum eine Familiengeschichte ist so bekannt in Deutschland wie die der Boateng-Brüder. Aufgewachsen im Berliner Plattenbau kämpften sich die drei durch eine harte Jugend. Gefängnis und Fußballolymp, Ghana und Deutschland, Berlin-Wedding und Mailand – die Geschichte der drei Brüder besitzt Hollywood-Format. Die einzelnen Schicksale folgten ganz unterschiedlichen Wegen und führten doch immer wieder zueinander.

Eine Hauswand in Berlin-Wedding ist mit einem Gemälde der drei Boateng-Brüder bemalt.Bildquelle: 360b – 172015883 / Shutterstock.com

Eine filmreife Familiengeschichte

Eigentlich ist es fast verwunderlich, dass die Geschichte der Familie Boateng noch von keinem Regisseur als Hollywood-Vorlage genutzt wurde. Denn an spannenden Wendungen, Drama und Erfolg mangelt es den Schicksalen der drei Boateng-Brüder nicht im geringsten. Geboren und aufgewachsen in einer Plattenbausiedlung in Berlin-Wedding hatten die Brüder George und Kevin Boateng in ihrem Alltag nicht viel zu lachen. Rassismus, Ausgrenzung und Armut standen an der Tagesordnung. Der Vater Prince Boateng, der 1953 in Ghana geboren wurde, hatte die Familie zudem früh verlassen.

Jérôme Boateng hatte zwar mit den gleichen rassistischen Anfeindungen zu kämpfen, wuchs aber in Berlin-Charlottenburg auf. Im Gegensatz zu seinen beiden Halbbrüdern hatte der charakterlich ruhigste der drei Brüder deutlich mehr Kontakt zum Vater als George und Kevin. Zu deren Jugendzeit hätte wohl niemand gedacht, wie zumindest die Fußballkarrieren von Kevin und Jérôme Boateng mal laufen würden. Die Quoten wären je nach Wettanbieter wahrscheinlich gigantisch gewesen.

Doch aller Anfang war schwer und eine derartige Entwicklung nicht vorherzusehen. Anfang der Achtzigerjahre kam der Vater Boateng mit der Intention nach West-Berlin, ein BWL-Studium zu absolvieren. Trotz Stipendium ging der Plan nicht auf und er hielt sich als DJ über Wasser. 1982 bekam seine deutsche Lebensgefährtin Tine dann den ersten Sohn George. Nur fünf Jahre später folgte Kevin, doch da lief schon die Scheidung von Prince und Tine.

1988 kommt dann der dritte Sohn Jérôme zur Welt. Die Mutter ist die neue Freundin von Prince, Nina. Der jüngste der drei Brüder wächst im bürgerlichen Wilmersdorf auf, seine beiden älteren Halbbrüder im Arbeiterkiez Berlin-Wedding. Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Doch im „Käfig“ treffen die drei immer wieder zusammen.

Video: Die Familiengeschichte der Boateng-Brüder

Fußball im Käfig

Mit dem Käfig ist ein umzäunter Fußballplatz aus Beton in der Mitte von Berlin-Wedding gemeint. Auf diesem Bolzplatz finden die drei erst richtig zueinander. Zu diesem Zeitpunkt ist Kevin Boateng neun Jahre alt und lernt seinen Vater das erste Mal intensiver kennen. Die Beziehung gestaltet sich nicht ganz einfach. Das Verhältnis der drei Brüder hingegen wächst von Tag zu Tag.

Das beinahe tägliche Kicken auf der sogenannten „Panke“ schweißt die drei unzertrennlich zusammen. „Die Panke war mein Zuhause, ihr habe ich alles zu verdanken“, sagte Kevin Boateng einmal über den Bolzplatz. Und auch der älteste Bruder George, früher der wahrscheinlich talentierteste Fußballer der drei und Vorbild der beiden jüngeren Brüder, adelte den Betonplatz: „Der Käfig ist der Anfang von allem.“

Trotz starkem Zusammenhalt ist die Rivalität besonders zwischen den beiden jüngeren Brüdern Jérôme und Kevin sehr groß. Das hatte auch mit den verschiedenen Gegenden zu tun, in denen die beiden getrennt voneinander aufgezogen wurden. Jérôme wollte dem älteren Bruder beweisen, dass er sich trotz „bürgerlicher“ Herkunft auch gegen das raue Wedding durchsetzen konnte.

Vom Käfig in den Knast

Während die beiden Jüngeren Rivalitätskämpfe auf dem Fußballplatz ausfochten und mit Jérômes Mutter gemeinsam in den Urlaub flogen, war das Leben von George Boateng bereits auf das falsche Gleis gelaufen. Vom begnadeten Stürmer aus der Jugend von Hertha BSC führte sein Weg in die Gewalt und Kleinkriminalität. Kein Schulabschluss und diverse Ausraster auf dem Fußballplatz machen seine Zukunftschancen als Profifußballer endgültig zunichte.

Mit Anfang zwanzig folgt dann der Tiefpunkt. George Boateng muss für acht Monate in Untersuchungshaft. Seine Straftaten haben überhandgenommen. Eine Mitschuld trägt seiner Aussage nach auch die fehlende Vaterfigur: „Kevin und ich haben immer so getan, als ob wir unseren Vater nicht brauchen würden, aber das stimmte natürlich nicht. Den Vater kann man nicht ersetzen. Und im Wedding weißt du, was dich erwartet, wenn du keinen hast, der dir den Weg zeigt.“

Jérôme ist zwar ebenfalls ein Scheidungskind, doch der Vater Prince unterstützte ihn und stand ihm bei, wenn er beispielsweise auf einem Fußballplatz wieder rassistische Beleidigungen einstecken musste. Dieses Vater-Sohn-Verhältnis ist einer der größten Unterschiede zwischen Jérôme und seinen beiden Halbbrüdern. George hingegen wuchs in einer Zeit auf, als Integration und Talentförderung im deutschen Fußball noch nicht so weit entwickelt waren. Kevin und Jérôme waren Nutznießer der ersten systematischen Nachwuchsarbeit des DFB.

„Ramboteng“, Weltmeister und Rapper

Die ersten Erfolge im Profifußball stellen sich bei Jérôme und Kevin ein. Jérôme wird 2009 U21-Europameister und spielt bei den Stationen:

  • Hertha BSC
  • Hamburger SV
  • Manchester City
  • FC Bayern München

Mit dem deutschen Rekordmeister wird er fünf Mal hintereinander Meister, gewinnt die Champions League und krönt sich 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft zum Weltmeister. Seine Karriere ist im Fußballolymp angekommen.

Kevin Boateng kann mit Vereinen wie den Tottenham Hotspurs, dem FC Portsmouth, dem AC Mailand und Schalke 04 ebenfalls eine stolze Vereins-Vita aufweisen. Zudem erreicht er mit Ghana, für dessen Nationalmannschaft er sich entschieden hatte, bei der Weltmeisterschaft 2010 das Viertelfinale. Unmittelbar vor der WM in Südafrika fällt der exzentrische Kevin aber in Ungnade der Deutschen und wird in den Medien und der Öffentlichkeit nur noch als „Ramboteng“ verunglimpft.

Hintergrund ist sein brutales Foul in der Premier League an dem damaligen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack, welches zum deutschlandweit diskutierten Ausfall des „Capitanos“ führte. Als es bei dem Turnier in der Vorrunde zum direkten Aufeinandertreffen der beiden Brüder kommt, steht Jérôme unter dem zweiseitigen Druck, einerseits zum Bruder und andererseits zu seinem Team zu halten.

Trotz derartiger Diskrepanzen und einigen „Ups and Downs“ in den Karrieren verliefen die Fußball-Schicksale von Jérôme und Kevin Boateng sehr erfolgreich. Auch der älteste Bruder George ist auf den rechten Pfad zurückgekehrt. Er macht als Rapper Musikkarriere und züchtet mit einem Freund Hunde. Die Beziehung zwischen den Dreien könnte kaum besser und enger sein. Neid auf den Erfolg der beiden Jüngeren kommt bei George sowieso nicht auf: „Es ist ein Glück, wie schnell meine Brüder es geschafft haben, dass sie uns retten konnten.“ Eine Geschichte, die eigentlich verfilmt werden sollte.

Lebenszeitstrahl von Weltmeister Jérôme Boateng

Infografik zu der erfolgreichen Karriere von Jérôme Boateng

Bildquelle: 360b – 172015883 / Shutterstock.com

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