Chris Goertz mit jeder Menge Content auf YouTube

Es war einmal im Jahre 1993. Mein Vater kaufte sich eine Video8 Digitalkamera von Sony, da wir beiden zu einer Reise in die USA aufbrechen wollten. Klar, dass das alles auf Band festgehalten werden musste. Die Camcorder damals waren der heisse Scheiss in Sachen Gadgets. Musste man haben. Wer wollte denn noch Fotoalben anschauen oder langweilige Diaabende über sich ergehen lassen? Richtig! Niemand!

it was all a dream chris goertz youtube
Darum also kaufte mein Vater sich diese Kamera und nahm sie auch mit auf unseren 12 Tage dauernden Nordamerika-Trip. Meyers Weltreisen machte es möglich, dass man quasi alles zu sehen bekam. In ganzen 12 Tagen. Von denen man fast drei erst einmal in New York verbrachte. Also nen Tage für Miami, Los Angeles, San Francisco und so weiter. Merkt ihr selber, dass das kein so guter Deal war. Fast täglich reisten wir mit dem Bus von Stadt zu Stadt und hatten vor Ort immer nur Zeit um zu schlafen, eine Stadtrundfahrt zu machen und maximal noch ein bisschen Zeit auf eigene Faust zu verbringen. Dennoch meinte mein Vater es gut und konnte heben nicht länger als 14 Tage wegbleiben. Darum bin ich ihm bis heute für diese Chance dankbar, denn auf dieser Reise habe ich soviel erlebt und gesehen, das mein Leben nachhaltig verändern sollte. Vielleicht würde ich diese Zeilen gar nicht schreiben, wäre ich nicht mit ihm dort gewesen. Man weiß es nicht.

Das coole an der Kamera und dem Trip im Jahre 1993 war, dass New York noch ganz anders aussah als heute. Wer alte New Yorker Gangsterfilme aus den 80ern kennt oder die B-Boy- und Rap- Dokumentationen aus den frühen Tagen der HipHop Kultur, der wird wissen, was ich meine. Brooklyn und die Bronx waren damals keine coolen Stadtteile, in denen man teure Wohnungen oder Häuser besitzen wollte – im Gegenteil. Die Autos auf den Straßen waren einfach nur old school. Shops wie Stüssy oder Union gab es schon, aber irgendwie auch wenig professionell. Es waren die Anfänge, die frühen Neunziger. Das Material heute sichten zu können, tut so richtig gut. Besonders, weil ich gar nicht wusste, dass es noch existiert.

Nach der Reise in die USA ging die Kamera in meinen Besitz über. Mein Vater hatte kaum Interesse, unser Leben in bewegten Bildern festzuhalten. Dafür habe ich gefilmt. Erst mich beim Auflegen oder mit Freunden beim Skaten, dann später Künstler, Freunde und Events überall in Deutschland. Zuerst auf Video8, später dann auf Hi8 und MiniDV. Bis heute ist meine Liebe zu Kameras ungebrochen. Darum besitze ich auch einen aktuellen Sony Camcorder, der in 4K auf Speicherkarte filmt, eine Leica Q – die wohl coolste Vollformatkamera überhaupt und eine Sony RX100 VII – die wohl kleinste und beste Kamera mit der neuesten Technik von Sony.

Mit diesen Geräten drehe ich immer noch YouTube Videos, Clips für Kunden oder Material, welches dann irgendwann erst auf YouTube und dann kurz darauf auch auf hypesRus.com landet. Seit über 20 Jahren handhabe ich das so. Ich habe immer Kameras dabei (gehabt) und wurde dafür oft als Nerd verspottet bzw. belächelt. Wenn irgendwer filmte, waren das die Jungs und Mädels von MTV oder VIVA, die ihr Material aber nur selten teilten. Ich war der einzige, der eine Kamera dabei hatte.

In der Netflix-Dokumentation „LA Originals„, über das Leben von Fotograf und Director Estevan Oriol und seinem Kumpel, dem weltweit bekannten Tätowierer Mister Cartoon, hörte ich vor ein paar Wochen fast dieselben Worte. „Ich war der, der immer eine Kamera dabei hatte, als sonst niemand fotografiert oder gefilmt hat“. Genau so.

In meinem Büro fand ich eine Tüte mit Dutzenden MiniDV Tapes und über 20 Hi8 und Video8 Tapes. Letztere konnte ich leider nie sichten, da ich keine kompatible Kamera mehr in meinem Repertoire hatte. Auch war meine MiniDV Kamera defekt und ich wollte immer mal eine neue gebrauchte kaufen. Inspiriert vom alten Material der Kollegen Oriol und Toons und der Dokumentation begann ich, aktiv nach alten Kameras zu suchen. Eine Kollegin meiner Frau organisierte mir für kleines Geld einen Digital8 Camcorder von Sony, der sowohl Video8 als auch Hi8 abspielen konnte. Eine MiniDV Kamera von Sony in Bestzustand fand ich für 50 Euro auf eBay Kleinanzeigen. Beide Kameras kamen mit einem digitalen Firewire Ausgang daher, welcher es mir ermöglichte, das Material direkt in den Rechner zu spielen. Dort wurde es dann geschnitten und weiterverarbeitet.

Auf einem YouTube Kanal, IT WAS ALL A DREAM, den ich eigentlich für meinen Podcast mit Pablo Fontagnier, besser bekannt als Hombre von den Stick Up Kids, angelegt hatte und für den er die Grafiken etc. lieferte, habe ich dann – passend zum Namen des Ganzen – angefangen, die ersten Videos hochzuladen.

Vom Splash 1999 und dem Battle of the Year 1998 in Celle z.B. Stunden liegen noch vor mir, doch aktuell hängt es etwas. Denn 81 Abonnenten konnte ich schon bekommen und mehrere tausend Views auf den verschiedenen Clips. Aber eigentlich wollte ich ja gerne meinen Content, also alles was ich so gemacht habe, in meiner Karriere, in den letzten 20 Jahren und darüber hinaus, an einer Stelle sammeln. Auch natürlich in der Hoffung, dass das Ganze durch die Decke geht, ich vielleicht die 1000 Abonennten knacke und die 4000 Stunden Viewtime, die es benötigt, bis man Videos mit Werbung versehen lassen kann – um eben auch etwas von seiner Arbeit zu haben und ein paar Euro zu verdienen. Das würde aber bedeuten, dass ich alles auf meinem KanalChris Goertz“ hochlade, der ja – wie es der Name schon sagt – mein Kanal ist und auf dem schon jetzt viel Material zu finden ist, das ich für Projekte wie „jivestyle.com„, „hypesRus.com„, „allgadgets.de“ oder „it was all a dream“ produziert habe.

Wieso also nicht alles dort hochladen und mit diesem Move eine ganze Menge Menschen auf meine Arbeit aufmerksam machen? Ich tue mich da schwer, da mir YouTube nicht so geläufig ist und weil sich die Plattform auch verändert hat. Vor über 13 Jahren habe ich meine ersten Videos hochgeladen. Clips, die dann auch viral und durch die Decke gingen. 2,4 Millionen Aufrufe hat mein erfolgreichstes Video aus dieser Zeit. Sicher nicht, weil es das tollste Video der Welt war, sondern weil es vor 13 Jahren einfach mal noch kein Instagram, kein TikTok oder Snapchat gab. Facebook gab es vielleicht schon, aber dort wollte niemand cool sein. Am Anfang jedenfalls. Die Künstler in meinen Videos teilten diese und zollten mit auf ihren Webseiten Respekt für meine Arbeit – so verbreitete sich das Ganze dann auch und die Zugrisszahlen stiegen an. Dummerweise hat mich das mit der Werbung und dem Geldverdienen nie wirklich interessiert. Dumm, ja! Zugegeben.

Aktuell überlege ich noch, ob ich alles – in Playlists sortiert – auf einem Kanal anbieten und alle anderen Channels schließen werde. Oder soll ich den „alten Kram“ vielleicht auf einem Kanal lassen und mich um beide kümmern, in der Hoffnung, dass beide irgendwann erfolgreich werden. Ich weiß es nicht. Man wird sehen. Falls ihr da Meinungen, Tipps oder Ideen habt,.. lasst es mich wissen!

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Was ich aber weiß und darum mache ich ja all das hier ist, dass es jede Menge Menschen Ü35 gibt, Künstler wie auch Fans, die sich total darüber freuen, mal wieder in Erinnerungen schwelgen zu können. Ich bekomme Lob, dankbarste Kommentare und Nachrichten von Personen, die mir heute unendlich dankbar dafür sind, dass ich damals der einzige Typ mit einer Kamera war, an Orten, an denen es eigentlich uncool war, andere zu filmen oder zu fotografieren. Auch habe ich ein bisschen Material von Künstlern oder Bands, die es heute entweder nicht mehr gibt oder deren Mitglieder bereits verstorben sind. Die Macher der Dokumentation „We Almost Lost Bochum“, einer Dokumentation über die Rap-Gruppe RAG (Ruhrpott AG), kamen erst kürzlich auf mich zu und baten mich, dieses Material doch zu digitalisieren, um zu schauen, ob man es für Teaser, Trailer oder andere Projekte nutzen kann. Auch mit dem verehrten Falk Schacht, seines Zeichens deutschlandweit respektierte HipHop-Enzyklopädie auf zwei Beinen mit Faible für old school Beats, stehe ich seit einiger Zeit diesbezüglich in Kontakt.

Wie auch immer. Egal, was wird. Egal, ob ich all meinen Content an einer Stelle sammle oder auf mehreren Kanälen anbiete – ihr werdet davon erfahren. Soviel ist mal sicher. Und wenn ihr Spaß daran habt und/oder meine Arbeit mögt – supportet mich gerne! View, Abos und Likes auf YouTube oder Facebook wären schon einmal ein Anfang. Um Geld werde ich euch natürlich nicht anbetteln, so wie es aktuell einige Blogger tun. Hier geht es nur um Fame und eine Geschichte, die ich gerne erzählen und euch zeigen möchte.

Danke, fürs Lesen!