Air Jordan 1 Low x Travis Scott “Reverse Mocha” – Raffle gewonnen!

Ich bin ein Sneakerhead oder anders gesagt: Ich war ein echter Sneakerhead.

So einer mit hunderten Schuhen und immer zu wenig Geld für das nächste Paar. Besonders während meiner Zeit als head of Online beim deutschen Sneaker Freaker Ableger und den ersten 10 Jahren als Blogger war das Thema bei mir riesig. Für mich sind es aktuell eher die Klassiker, die mich begeistern, wie z.B. der Air Max 1 oder der Air Trainer 1 von Nike, diverse Asics Laufschuhe und ein bisschen was von adidas. Mehr muss es für mich aktuell nicht mehr sein. Auch wenn ich hier auf besondere Colorways und auch auf die Limitierung achte, hat sich das wilde Leben als Sneakerhead mit hunderten Paaren für mich mehr oder weniger erledigt.

Wie war da damals?

Unabhängig von meiner aufkommenden Lust auf cooles Schuhwerk begannen die Sportartikelhersteller ab ca. 2010 damit, immer mehr limitierte Editionen und Colorways, sowohl von ganz neuen Modellen als auch von ihren Klassikern in den Handel bringen. Aus der anfänglich besseren Verfügbarkeit und der vielen Re-Releases guter und klassischer Farben und Modelle wurde schnell ein System. Fast wöchentlich erschien mindestens ein „Release“ bei ausgewählten Sneaker-Shops und auf den Herstellerseiten, um dann nach Minuten schon wieder ausverkauft zu sein. Zu Hochzeiten waren es dann drei, vier oder mehr besondere Modelle an einem Wochenende, für die die Unternehmen schon Wochen vorher die Influencer-Blogger-Werbetrommel rührten. Der Hype wurde immer realer! Fast an jedem Wochenende gab es in ganz Deutschland oder Europa irgendein Release-Event, um das neue Model oder den Re-Launch von Sneaker X groß zu feiern. Die Fotos dieser Events, die ich damals oft selber gemacht habe, gingen dann auf Blogs wie meinem online und führten dazu, dass z.B. meine Leser über den anstehenden Release informiert waren. Das Business wuchs stetig und mit ihm auch das Interesse derer, die die Schuhe gar nicht zum „Selbertragen“, sondern zum “Weiterverkauf” haben wollten.

 

Nike Air Jordan 1 Travis scott Reverse Mocha Raffle Resell

Reseller?

Diese so genannten Reseller entwickelten mit der Zeit die verrücktesten Strategien, Mechanismen und bauten Connections in alle Ecken der Sneaker-Industrie auf, um schnell an größere Mengen eines beliebten Schuhs zu kommen, den man dann mit einem satten Gewinn weiterverkaufen konnte. 

Hierzu könnte ich nur mit meinen Erfahrungen einen ganz eigenen Artikel schreiben. Angebot und Nachfrage regeln halt den Markt.

Es kam sogar einmal das Gerücht auf, dass sich ein Sneaker-Influencer einen noch gar nicht erschienenen Schuh aus dem Lager hat “besorgen” lassen, um danach offen damit anzugeben, ihn bereits zu haben. Ob auch er ihn für viel Geld verkaufen wollte oder gar verkauft hat, das interessierte das Unternehmen, welches mich um Rat bei der Sache bat, erst einmal nicht. Für sie war das ein erstes frühes Zeichen dafür, dass das Ganze in eine völlig falsche Richtung läuft und sich ein wenig aus dem Zirkus zurückzuziehen. Ihr seht, dass das Thema Sneaker immer schon ein großes war. Heute mehr denn je. Der weltweite Markt boom, die Preissteigerungen für Sammlerstücke überschreiten oftmals die von anderen traditionellen Werten und eine eigene Sneaker-Sammlung macht sich zudem auch noch richtig gut im eigenen Zuhause.

Auch wenn ich seit ein paar Jahren nur noch meine 10+ ausgewählten Paare pro Jahre kaufe, habe ich natürlich nicht den Blick auf all das verloren. Wie könnte ich? Mit hypesRus.com bin ich seit 16 Jahren online und als Blogger, Editor oder Partner wichtiger Unternehmen in diesem Business, weiß 

ich natürlich immer, wann und wo welcher Schuh zu bekommen sein wird. Nicht umsonst habe ich mit Latest Pickup eine kleine Seite online gestellt, auf der ich alle relevanten und wichtigen Sneaker-Shops liste, denen man vertrauen kann.

Aber wie kommt man überhaupt an einen limitierten Sneaker?

Heutzutage kann man seltene und limitierte Sneaker oder Kollabos im Streetwear-Business nur fast noch per „Raffle“ bekommen, also durch eine Verlosung. Man bezeugt sein Interesse, gibt seine Kontodaten an, seine Adresse sowie die gewünschte Schuhgröße und hofft, ausgelost zu werden, um den Schuh dann zum regulären Preis kaufen zu können. So versuchen kleinere Shops dem Ansturm am „Release Day“ auf den eigenen Online-Shop etwas entgegen zu wirken und den Verkauf der sehr limitierten Produkte etwas fairer zu gestalten. Außerdem ist solch ein Raffle schon Tage vor dem eigentlichen Release ein Thema im Netz und lenkt die Aufmerksamkeit potentieller auf das eigene Angebot.

Unternehmen wie adidas und Nike gehen hier noch einen Schritt weiter und haben vor einiger Zeit Apps entwickelt, über die man mit einer verifizierten Mitgliedschaft, sein Interesse an einem Release bekunden kann. Tut man dies, landet man im Lostopf des Unternehmens und wird – mit sehr viel Glück – ausgelost.

Genau das ist mir eben passiert. Ja, ich habe heute morgen in der SNKRS App von Nike gesehen, dass der Nike Air Jordan 1 Low x Travis Scott mit dem Beinamen “Reverse Mocha” von Rapper Travis Scott und Nike heute in den Handel kommt bzw. „verlost“ wird.

Nike Air Jordan 1 Travis scott Reverse Mocha Raffle Resell

Um bei solch einem Raffle einmal nur dabei zu sein, habe ich also per App mein Interesse bekundet und war – tatsächlich – nach knapp 20 Minuten stolzer Besitzer des Schuhs in meiner Wunschgröße. Krass!

 Ich bin ja nun schon eine ganze Weile dabei und habe an jedem Release-Day die vielen enttäuschten Posts derjenigen auf Facebook gesehen, die nicht so viel Glück hatten. Bei mir hat es direkt beim allerersten Mal geklappt. ISt das dieses Karma von dem alle immer sprechen?

Und jetzt? Weiterverkaufen?

Da ich solch einen Artikel wie diesen hier schon seit Jahren mal schreiben wollte, aber nie einen Grund hatte bzw. nie in der Situation war einen solchen Schuh verkaufen zu können, habe ich direkt mal bei eBay Kleinanzeigen geschaut, was die anderen Gewinner des Raffles mit der Information anstellen, dass sie einen der Schuhe bekommen werden.

Und da waren sie schon, die Reseller und die Jungs, die den Schuh direkt wieder anboten, ohne ihn je in der Hand gehabt zu haben. 1500 Euro waren auf den ersten Blick der höchste Preis den jemand aufrief. Das ist ein ordentlicher Gewinn für einen 160 Euro teuren Turnschuh, den man noch nicht einmal bekommen hat. Denn die Zustellung datiert Nike aktuell auf den 26.07.2002.

Ich stelle den Schuh einfach mal ein.

Um einen umfassenden Eindruck davon zu bekommen, wie es im Sneaker-Business abgeht, wenn man einen hoch limitierten und sehr seltenen Schuh weiterverkaufen möchte, egal, ob als Glücksritter wie ich oder als professioneller Reseller, habe ich meinen Schuh auch eingestellt. Ich hatte bewusst einen Preis gewählt, der “nur wenige hundert Euro” höher war als der Kaufpreis. Mein Postfach bei eBay Kleinanzeigen explodierte bereits nach Sekunden, die Angebote und Kaufabsichten prasselten nur so auf mich ein.

 Ich empfand das Vierfache des Kaufpreises als völlig ausreichend.

 

Nicht aber einige meiner potentiellen Käufer, die darin einen Beweis finden wollten, dass mein Schuh eventuell nicht echt ist oder ich ein Betrüger sein könnte. Nur, weil ich den Schuh nicht für 850 – 1500 Euro angeboten hatte.

 Auch wurde mir abgeraten den Schuh überhaupt zu verkaufen oder man empfahl mir doch lieber die Verkaufsplattform StockX zu nutzen, die kürzlich erst die TwitchCon in Amsterdam supportet hat. Dort soll man noch mehr für seinen Schuh bekommen, da dort Angebot und Nachfrage den Preis regeln – wie bei der richtigen Börse eben.

Und jetzt?

Aktuell bekomme ich pro Minute etwa ein bis zwei Anfragen dieser Art und bin kurz davor, das Angebot bei eBay wieder zu löschen. Wieso? Weil mich das Ganze stresst und ich für so etwas offenbar nicht gemacht bin. Ich hatte nie vor den Schuh zu verkaufen und wenn, dann nur an jemanden, der ihn wirklich will, mit Stokz trägt und dann auch nur zu einem Preis, der meine Unkosten deckt und bei dem vielleicht noch ein gutes Essen mit meiner Frau rausspringt. Aber dieses Essen wird es nie geben, denn ich behalte meinen Air Jordan 1 Low x Travis ScottReverse Mocha” natürlich. Einfach, weil ich auf die Klassiker stehe und bis heute nur sehr wenige Schuhe überhaupt ungetragen weiterverkauft habe.

Es war in der Zeit aus der ich komme einfach ein Unding, dass man ein gutes Paar Schuhe zur Wertsteigerung im Regal stehen lässt oder sich daran am Ende sogar daran bereichert, dass Andere nicht die Chance bekommen haben es zu kaufen.

Bei mir lautet die Devise immer noch: „Rock, don´t stock!“, was für alle Boomer da draußen übersetzt soviel bedeutet wie, „zieh das Teil an, sei stolz darauf und hab Spaß daran!“. 

Und das werde ich. Spaß daran haben, stolz darauf sein und dankbar, soviel Glück bei meinem ersten Raffle gehabt zu haben.

Dennoch war das heute ein spannender Tag, den ich so nicht geplant hatte.