GTA 6 auf Netflix: 26 Minuten Vice City und viel Atmosphäre

Rockstar hat geliefert. Nicht mit einem klassischen Fünf-Minuten-Gameplay-Trailer, sondern mit einem 26 Minuten langen „Extended Look“ zu GTA 6, der am 27. August zuerst exklusiv auf Netflix lief.

Das Interessante ist aber gar nicht nur, wie viel Rockstar gezeigt hat, sondern wie bewusst wenig erklärt wurde. Es gab keine Sprecherstimme, die uns jedes neue Feature verkauft. Keine eingeblendeten Entwickler-Statements. Keine lange Liste mit Mechaniken. Stattdessen bekam man eine Art atmosphärischen Rundgang durch Vice City und die Welt von GTA 6 – komplett mit In-Game-Material, aufgenommen auf einer normalen PlayStation 5. Und genau dieser letzte Punkt sorgt bei vielen Fans gerade fast für noch mehr Begeisterung als das eigentliche Gameplay.

 

GTA 6 Grand Theft Auto VI Netflix

Alles lief auf einer normalen PS5

Rockstar beziehungsweise Netflix bestätigten, dass das gesamte gezeigte Material direkt aus der PS5-Version stammt. Nicht aus einer High-End-PC-Fassung, nicht aus irgendeinem Render-Setup und auch nicht von einer PS5 Pro. Genau deshalb war die Reaktion vieler Zuschauer so deutlich: Wenn GTA 6 auf einer normalen PS5 tatsächlich so aussieht, ist das technisch ziemlich beeindruckend. Vor allem Beleuchtung, Animationen, Verkehr, Menschenmengen und die allgemeine Dichte der Welt fallen sofort auf. Vice City wirkt nicht wie eine hübsche Kulisse, die nur dann lebt, wenn eine Mission startet. Überall passiert etwas. Leute stehen herum, reden miteinander, treiben Sport, fahren Boot oder verschwinden irgendwo im Nachtleben. Fahrzeuge wirken schwerer und detaillierter, Innenräume dichter und die Beleuchtung ist teilweise fast absurd gut. Natürlich sollte man nicht vergessen, dass Rockstar hier 26 Minuten Material ausgewählt und geschnitten hat, das das Spiel möglichst gut aussehen lässt. Trotzdem: Dass all das auf einer Standard-PS5 läuft, ist ein starkes Statement.

Was gab es konkret zu sehen?

Das Special beginnt relativ ruhig. Jason und Lucia bewegen sich durch ein Apartmentgebäude beziehungsweise ein ziemlich heruntergekommenes Umfeld auf der Suche nach einem Kontakt. Schon hier sieht man kleinere Interaktionen, etwa dass Jason einen Hund streicheln kann oder an Türen klopft. Danach wird es schnell typischer GTA. Es gibt einen Drogendeal, der nicht ganz nach Plan läuft, Schießereien mit Polizei, Fluchtsequenzen, Autodiebstähle und Verfolgungsjagden. Jason hängt während einer Flucht aus einem fahrenden Auto und feuert auf Polizeifahrzeuge. An anderer Stelle sieht man Deckungssystem, Rollen und schnelle Bewegungen zwischen einzelnen Positionen.

Interessant ist auch, dass das Fahndungssystem offenbar wieder bis zu sechs Sterne reicht. GTA 5 hatte maximal fünf. Das klingt nach einer Kleinigkeit, dürfte aber viele Fans freuen, weil sechs Sterne in früheren Teilen für maximale Eskalation standen. Dazu kamen viele ruhigere Szenen. Jason spielt Basketball, Lucia trainiert, es wird geschwommen, getaucht, Kajak gefahren, Airboat gefahren und Fallschirm gesprungen. Man sieht Nachtclubs, Straßenrennen, verschiedene Outfits und deutlich mehr Alltag als in einem typischen Action-Trailer. Genau dadurch entsteht der Eindruck, dass Rockstar diesmal noch stärker darauf setzt, die Welt zwischen den Missionen interessant zu machen.

Lucia und Jason funktionieren überraschend gut zusammen

Ein großer Teil des Specials konzentriert sich auf die beiden Hauptfiguren Lucia Caminos und Jason Duval. Rockstar hatte ihre Beziehung schon in früheren Trailern angedeutet, jetzt bekommt man deutlich mehr davon zu sehen. Es gibt Szenen, in denen die beiden gemeinsam unterwegs sind, sich schreiben und offenbar auch in unterschiedlichen Missionen und Lebenssituationen landen. Besonders interessant: Das Wechseln zwischen den beiden Figuren ist sichtbar im Interface integriert. In einer Szene springt Lucia mit dem Fallschirm von einem Hochhaus, danach erscheint eine R1-Einblendung zum Wechsel auf Jason.

Das erinnert natürlich an GTA 5 mit Michael, Franklin und Trevor. Hier wirkt es aber deutlich persönlicher, weil die beiden Figuren als Paar beziehungsweise als sehr eng verbundenes Duo angelegt sind. Ob Rockstar diese Beziehung emotional wirklich tragen kann, wird am Ende entscheidend sein. Technisch kann das Spiel noch so spektakulär aussehen – GTA 6 wird langfristig auch daran gemessen werden, ob Jason und Lucia als Figuren funktionieren.

Die Welt könnte das eigentliche Highlight werden

Was nach 26 Minuten am stärksten hängen bleibt, ist für mich gar nicht eine bestimmte Mission oder ein einzelnes neues Feature. Es ist die Welt selbst. Vice City sieht nicht einfach nur größer aus. Es wirkt dichter. Autos, Menschen, Geschäfte, Boote, Clubs, Strände, Rennstrecken, Apartments, Nebenaktivitäten – alles wirkt so, als wolle Rockstar den Spieler ständig mit kleinen Ablenkungen beschäftigen.

Genau das passt zu einigen der Reaktionen nach dem Special. Viele Zuschauer sprechen weniger über neue Gameplay-Systeme und mehr darüber, wie lebendig die Stadt wirkt. Ein Redakteur von Tom’s Guide fasste es sinngemäß so zusammen: Die Atmosphäre springt direkt aus dem Bildschirm, und es wirkt, als gäbe es zwischen Missionen deutlich mehr zu tun. Auch die Fahrzeugkultur fällt auf. Rockstar zeigt Tuning, Straßenrennen, verschiedene Fahrzeugtypen und Szenen, die fast wie ein eigener kleiner „GTA trifft Forza“-Bereich wirken. Für eine Serie, bei der Autos schon immer zentral waren, scheint GTA 6 dieses Thema noch stärker auszubauen.

Die Reaktionen: Begeisterung, aber nicht nur

Die Stimmung nach dem Netflix-Special ist insgesamt sehr positiv. GameStar fasste die ersten Reaktionen ziemlich treffend zusammen: Viele Leute können kaum glauben, wie gut das Spiel aussieht – vor allem mit Blick auf die Standard-PS5 als Plattform. Im Netz tauchten Kommentare auf, die den Extended Look als eines der beeindruckendsten Gaming-Reveals überhaupt bezeichneten. Andere schreiben sinngemäß, sie würden nach Release wahrscheinlich monatelang nichts anderes spielen. Aber es gibt auch Kritik. Einige Zuschauer erwarteten nach der langen Wartezeit einen klassischeren Gameplay-Deep-Dive mit klar erklärten Systemen. Also etwa: Wie funktioniert das Inventar genau? Wie frei sind Missionen? Wie komplex ist die Polizei-KI? Welche Rollenspiel-Elemente gibt es? Wie stark unterscheiden sich Jason und Lucia spielerisch? Davon zeigte Rockstar nur kleine Ausschnitte. Esquire kritisiert genau diesen Punkt: Optisch sei das Material beeindruckend, spielerisch sehe man aber vor allem bekannte GTA-Bausteine – Fahren, Schießen, offene Welt, Minispiele. Wer auf die große Revolution gehofft hatte, bekam noch keine eindeutige Antwort.

Auch einige Fans fanden das gezeigte Movement stellenweise relativ langsam oder etwas steif. Jason bewegt sich in manchen Szenen sehr schwerfällig. Andere kritisierten seine Stimme beziehungsweise Charakterisierung als eher flach. Das ist nach 26 Minuten natürlich schwer endgültig zu beurteilen, zeigt aber, dass nicht jeder komplett im Hype versinkt.

Vielleicht war genau das Rockstars Plan

Rockstar hätte problemlos jede neue Mechanik erklären können. Stattdessen zeigt das Studio gerade genug, damit Fans monatelang jedes einzelne Bild analysieren können. Das ist wahrscheinlich Absicht. GTA 6 braucht keine klassische Marketing-Präsentation mehr. Jeder kleine Ausschnitt wird ohnehin zerlegt, vergrößert und auf Reddit, TikTok, YouTube und X hundertfach diskutiert.

Ein Interface-Icon reicht, um zehn Theorien zum Inventarsystem zu starten. Eine kurze Szene auf einer Rennstrecke wird sofort als Hinweis auf ein komplettes Motorsport-System interpretiert. Rockstar muss nicht alles sagen. Das Internet erledigt den Rest freiwillig. Insofern war der Netflix-Deal ziemlich clever. Das Special fühlte sich eher wie eine exklusive TV-Premiere an als wie ein normaler Games-Trailer. Für Netflix bringt es Aufmerksamkeit von einem Publikum, das vielleicht gar nicht wegen Serien oder Filmen eingeschaltet hätte. Für Rockstar macht es aus einem Gameplay-Video ein Event.

Mein Eindruck: 26 Minuten und trotzdem fühlt es sich nach zu wenig an

Das Verrückte an diesem Special ist eigentlich: Rockstar zeigt uns fast eine halbe Stunde GTA 6 – und danach hat man trotzdem das Gefühl, kaum etwas gesehen zu haben. Das meine ich positiv. Die Welt wirkt riesig, die Details sind teilweise absurd und fast jede Szene wirft neue Fragen auf. Gleichzeitig verstehe ich die Leute, die sich mehr echtes, ungeschnittenes Gameplay gewünscht hätten. Ein paar Minuten am Stück, in denen jemand einfach eine Mission spielt, fährt, aussteigt, improvisiert und mit der Welt interagiert, hätten wahrscheinlich noch besser gezeigt, wie GTA 6 sich wirklich anfühlt. Aber vielleicht kommt genau das noch.

GTA 6 erscheint am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Eine PC-Version ist weiterhin nicht offiziell terminiert. Bis dahin dürfte Rockstar noch genug Material zurückhalten, um den Hype weiter hochzuhalten. Und nach diesem Netflix-Special ist klar: Die Erwartungen sind nicht kleiner geworden. Eher das Gegenteil.

Offizielle Spiel- und Bildquelle: https://www.rockstargames.com/VI
Extended Look / offizieller Rockstar-Kanal: https://www.youtube.com/@RockstarGames

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