Plaud One: Diese KI-Earbuds wollen Gespräche nicht nur aufnehmen, sondern direkt verstehen

Plaud packt seine KI jetzt ins Ohr. Mit den Plaud One Explorer Edition bringt das Unternehmen neue Earbuds auf den Markt, die deutlich mehr können sollen als Musik abspielen und telefonieren. Die Idee: Gespräche aufnehmen, transkribieren, zusammenfassen und anschließend mit KI weiterverarbeiten – direkt aus einer Form, die sowieso längst selbstverständlich im Alltag angekommen ist.

Plaud kennt man bisher vor allem durch kleine KI-Recorder wie den Plaud Note. Mit den neuen Earbuds geht die Firma jetzt einen ziemlich logischen Schritt weiter. Statt noch ein zusätzliches Gerät in die Tasche zu stecken, soll die Aufnahmefunktion direkt in etwas landen, das viele Menschen ohnehin jeden Tag tragen.

Earbuds, Recorder und KI-Assistent in einem

Die Plaud One Explorer Edition besteht aus zwei Ohrhörern und einem ungewöhnlich gut ausgestatteten Ladecase. Jeder Earbud besitzt mehrere Mikrofone und kann Gespräche aus kurzer Distanz aufnehmen. Das Case selbst bringt ebenfalls Mikrofone mit und soll Gespräche aus mehreren Metern Entfernung erfassen können.

Interessant wird das Ganze vor allem deshalb, weil man die Earbuds nicht zwingend tragen muss. Für ein Meeting kann man beispielsweise einfach das Case auf den Tisch legen und darüber aufnehmen. Genau das macht das System flexibler als klassische Kopfhörer.

Plaud gibt für die Earbuds bis zu sechs Stunden kontinuierliche Aufnahmezeit an. Das Case soll deutlich länger durchhalten und insgesamt bis zu 36 Stunden Wiedergabe ermöglichen. Aufgeladen wird per USB-C.

4G direkt im Case

Der auffälligste Unterschied zu normalen Bluetooth-Earbuds sitzt im Case: Es besitzt eine eigene 4G-LTE-Verbindung mit eSIM. Dadurch kann Plaud One bestimmte Funktionen nutzen, ohne dauerhaft mit einem Smartphone oder WLAN verbunden zu sein.

Das ist ziemlich clever. Wer unterwegs eine Idee festhält oder ein Gespräch aufnimmt, ist nicht zwingend darauf angewiesen, dass das Smartphone gerade verbunden ist. Gerade für berufliche Nutzer, Journalisten, Vertrieb, Beratung oder Menschen, die viele Meetings haben, könnte das spannend sein.

Plaud positioniert das Produkt auch genau in diese Richtung. Es geht weniger um einen Lifestyle-Kopfhörer und mehr um ein tragbares Arbeitswerkzeug.

Die KI macht aus Audio direkt verwertbare Inhalte

Wie bei den bisherigen Plaud-Produkten liegt der eigentliche Mehrwert nicht nur in der Aufnahme. Plaud Intelligence übernimmt Transkription und Zusammenfassung und soll Informationen aus Gesprächen strukturieren.

Aus einem Meeting können so beispielsweise Aufgaben, Zusammenfassungen oder Notizen entstehen. Plaud bewirbt außerdem sogenannte Agent-Funktionen, über die aus Gesprächen weitere Aktionen angestoßen werden sollen.

Genau hier wird der Ansatz interessant. Ein normaler Recorder speichert eine Audiodatei. Plaud möchte, dass nach dem Gespräch möglichst wenig Nacharbeit übrig bleibt.

Wer schon einmal eine Stunde Meeting aufgenommen und danach versucht hat, aus der Datei die drei wirklich wichtigen Punkte herauszusuchen, versteht ziemlich schnell, warum solche Funktionen attraktiv sind.

Auch als normale Earbuds brauchbar

Plaud One ist trotzdem kein reines Aufnahmegerät. Die Earbuds unterstützen aktive Geräuschunterdrückung mit bis zu 40 dB, einen Transparenzmodus und LDAC für höherwertige Audioübertragung. Verbaut sind 12-mm-Treiber.

Mit ausgeschaltetem ANC sollen bis zu sechs Stunden Wiedergabe möglich sein, mit aktivierter Geräuschunterdrückung etwa viereinhalb Stunden. Multipoint und Apple Find My sollen ebenfalls unterstützt werden, wobei einige Funktionen laut Plaud erst mit späteren Firmware-Updates aktiviert werden.

Das Design erinnert bewusst eher an klassische Half-in-Ear-Kopfhörer als an ein typisches KI-Gadget. Genau das dürfte Absicht sein. Ein Gerät, das den ganzen Tag genutzt werden soll, darf nicht jedes Mal aussehen wie ein Prototyp aus einem Forschungslabor.

249,90 Euro und zunächst nur 2.000 Stück

Die Explorer Edition kostet in Deutschland 249,90 Euro. Laut Plaud ist die erste Serie weltweit auf 2.000 Einheiten begrenzt. Der Verkauf läuft als Vorbestellung beziehungsweise Wartelistenmodell, je nach Verfügbarkeit.

Im Lieferumfang ist ein Starter-Plan für Plaud Intelligence enthalten. Darüber hinaus verkauft Plaud kostenpflichtige Abos für zusätzliche beziehungsweise unbegrenzte Transkriptionsminuten. Das sollte man beim Preis unbedingt mitdenken.

Das eigentliche Geschäftsmodell ist also nicht nur Hardware. Wie bei vielen KI-Produkten hängt langfristig ein Teil des Nutzens an einem Software-Abo.

Datenschutz bleibt das große Thema

So praktisch die Idee ist, sie bringt natürlich auch Fragen mit sich. Earbuds, die jederzeit Gespräche aufnehmen können, sind datenschutzrechtlich deutlich sensibler als normale Kopfhörer.

In Deutschland darf man Gespräche nicht einfach heimlich mitschneiden. Wer Plaud One nutzt, muss also sehr bewusst damit umgehen und Beteiligte informieren. Das ist kein kleines Detail, sondern wahrscheinlich die wichtigste Regel rund um das Gerät.

Technisch kann Plaud noch so viele Sicherheitsstandards nennen: Die Verantwortung dafür, wann aufgenommen wird, bleibt am Ende beim Nutzer.

KI-Hardware wird endlich etwas konkreter

Viele sogenannte AI-Gadgets der letzten Jahre fühlten sich wie Lösungen auf der Suche nach einem Problem an. Plaud geht einen etwas anderen Weg. Aufzeichnen, transkribieren und Meetings zusammenfassen ist ein klarer Anwendungsfall, den Menschen schon heute nutzen.

Die Earbuds machen daraus einfach eine bequemere Form.

Ich finde das deutlich interessanter als den nächsten KI-Anhänger, den man sich extra um den Hals hängen soll. Kopfhörer tragen wir sowieso. Wenn die Software wirklich zuverlässig arbeitet, könnte genau das der entscheidende Unterschied sein.

Ob ich dafür dauerhaft ein weiteres Abo bezahlen möchte, ist eine andere Frage. Aber als Produktidee wirkt Plaud One erstaunlich schlüssig.

Offizielle Produkt- und Bildquelle: https://de.plaud.ai/products/plaud-one

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