Wegovy als Tablette: Meine Erfahrungen mit Semaglutid ab Tag 1
Wegovy als Tablette: Warum ich mich dafür entschieden habe und wie sich die ersten Tage anfühlen
Seit Anfang September nehme ich Wegovy in Tablettenform. Die Entscheidung dafür ist nicht spontan gefallen. Ausschlaggebend war zunächst mein BMI, der knapp über der Grenze liegt, ab der eine medikamentöse Behandlung zur Gewichtsreduktion grundsätzlich infrage kommt. Zusätzlich spielt bei mir noch ein anderer Punkt eine Rolle: Ich habe eine eher leichte Form von Morbus Crohn. Bei meiner Recherche bin ich unter anderem auf medizinische Veröffentlichungen gestoßen, die sich mit GLP-1-Medikamenten bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beschäftigen. Die bisherigen Erkenntnisse bedeuten natürlich nicht, dass Medikamente wie Semaglutid Morbus Crohn behandeln können. Es gibt aber interessante Hinweise darauf, dass GLP-1-Therapien bei entsprechenden Patienten möglicherweise auch im Zusammenhang mit dem Verlauf chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen positive Effekte haben könnten. Genau dieser Aspekt war für mich ein zusätzlicher Grund, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

Keine spontane Entscheidung
Wegovy wollte ich nicht einfach mal ausprobieren, nur weil das Thema momentan überall auftaucht. Schon seit mehreren Wochen lese ich Studien, medizinische Veröffentlichungen und Erfahrungsberichte und versuche, Nutzen und mögliche Risiken möglichst realistisch gegeneinander abzuwägen. Vor allem aber stehe ich dabei in engem Austausch mit meiner Hausärztin. Wir haben ausführlich über die Behandlung gesprochen und werden sie auch weiterhin medizinisch begleiten. Die Tabletten stammen also nicht irgendwo aus dem Internet, wo ich ein paar Fragen beantwortet, irgendwo einen Haken gesetzt und anschließend ein Medikament bestellt habe. Für mich gehört zu einer solchen Therapie eine vernünftige ärztliche Betreuung dazu. Schließlich handelt es sich nicht um irgendein Nahrungsergänzungsmittel, sondern um ein Medikament, das spürbar in Prozesse des Körpers eingreift.
Natürlich ist mir bewusst, dass es Menschen geben wird, die mich anschauen und sich fragen: Braucht der das wirklich? Ist er überhaupt übergewichtig genug? Ist er überhaupt „würdig“, so ein Medikament zu bekommen? Diesen Gedanken kann ich sogar ein Stück weit nachvollziehen. Gerade rund um Wegovy und andere GLP-1-Medikamente wird ziemlich emotional darüber diskutiert, wer diese Medikamente bekommen sollte und wer nicht. In meinem Fall erfülle ich die medizinischen Voraussetzungen, habe die Entscheidung gemeinsam mit meiner Ärztin getroffen und bezahle die Behandlung selbst. Ich nehme also niemandem auf Kosten der Krankenkasse eine Therapie weg. Ehrlich gesagt gehe ich auch nicht davon aus, dass meine Krankenkasse die Behandlung irgendwann übernehmen wird, selbst mit meiner Morbus-Crohn-Erkrankung nicht. Deshalb hoffe ich einfach auf etwas Verständnis. Menschen können sehr unterschiedliche Gründe haben, sich für eine solche Behandlung zu entscheiden, und von außen kennt man eben nicht immer die ganze Geschichte.
Warum für mich gerade die Tablette interessant ist
Ein ganz praktischer Punkt spielt für mich ebenfalls eine ziemlich große Rolle: die Sache mit dem Spritzen. Ich kann das einfach nicht. Andere Menschen setzen sich ihre Spritzen völlig selbstverständlich selbst und machen daraus überhaupt kein großes Ding. Easy peasy. Bei mir funktioniert das schlicht nicht. Selbst mein Biologikum gegen Morbus Crohn, das nur alle drei Monate gespritzt werden muss, lasse ich mir geben, weil ich es selbst nicht hinbekomme. Genau deshalb war die klassische Wegovy-Spritze für mich bislang immer eine echte Hürde. Natürlich hätte sich vermutlich irgendeine Lösung finden lassen, aber die Vorstellung, mir regelmäßig selbst eine Spritze setzen zu müssen, hat das Thema für mich nicht gerade attraktiver gemacht. Die Tablettenform nimmt mir diese Hürde komplett ab und macht die Behandlung für mich persönlich deutlich alltagstauglicher.
Gestartet wird mit der niedrigsten Dosierung von 1,5 mg Semaglutid täglich. Diese Anfangsdosis habe ich nicht selbst gewählt, sondern sie gehört zum vorgesehenen Dosierungsschema. Anschließend wird die Menge Schritt für Schritt erhöht. Über 4 mg und 9 mg geht es schließlich auf 25 mg täglich. Die langsame Steigerung über mehrere Monate soll dem Körper Zeit geben, sich an den Wirkstoff zu gewöhnen und mögliche Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. Wer einen Blick auf den Beipackzettel wirft, findet dort natürlich trotzdem eine ganze Reihe möglicher Beschwerden, insbesondere im Magen-Darm-Bereich. Übelkeit, Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen gehören zu den Dingen, über die bei GLP-1-Medikamenten immer wieder gesprochen wird. Wie stark mich davon etwas treffen wird, lässt sich nach den ersten Tagen natürlich noch überhaupt nicht sagen.
Die Einnahme braucht ein bisschen Planung
Ganz so simpel wie morgens irgendeine Tablette mit dem ersten Kaffee herunterzuspülen, ist Wegovy allerdings nicht. Die Einnahme erfolgt nüchtern. Danach muss man mindestens 30 Minuten warten, bevor man etwas isst, etwas anderes trinkt oder weitere Medikamente einnimmt. Auch bei der Wassermenge sollte man sich an die Vorgaben halten. Hintergrund ist vor allem die Aufnahme des Wirkstoffs. Werden die Regeln nicht eingehalten, kann weniger Semaglutid im Körper ankommen.
Zum Glück lässt sich das für mich ziemlich einfach in den Alltag integrieren. Mein Wecker klingelt ohnehin gegen 6 Uhr. Direkt nach dem Aufstehen nehme ich die Tablette und bis mindestens 6:30 Uhr gibt es weder Frühstück noch Kaffee. Danach läuft der Morgen ganz normal weiter. Wenn das die größte organisatorische Hürde bleibt, kann ich damit ziemlich gut leben. Gleichzeitig finde ich spannend, was sich in diesem Bereich derzeit alles entwickelt. Auch andere Pharmaunternehmen arbeiten an Medikamenten in Tablettenform und verfolgen teilweise Ansätze, bei denen solche strengen Vorgaben rund um Essen, Trinken und das morgendliche Zeitfenster nicht mehr notwendig sein sollen. Die Spritze wird sicher nicht verschwinden, aber Tabletten könnten für Menschen wie mich künftig eine ziemlich interessante Alternative werden.
Wie fühlt sich Wegovy eigentlich an?
Genau diese Frage hat mich vor der ersten Einnahme wahrscheinlich am meisten beschäftigt. Über mögliche Gewichtsverluste hatte ich einiges gelesen. Berichte über Übelkeit und andere Nebenwirkungen gibt es ebenfalls mehr als genug. Auch ungefähr zu verstehen, was Semaglutid im Körper macht, ist nicht besonders schwer. Trotzdem blieb für mich eine ganz einfache Frage offen: Wie fühlt sich das Ganze eigentlich an? Merkt man plötzlich, dass man keinen Hunger mehr hat? Schaut man ein Brötchen an und denkt sich: Nein danke? Wird der Appetit einfach etwas schwächer? Ist einem schlecht? Oder passiert anfangs vielleicht erst einmal überhaupt nichts?
Am ersten Tag war die Antwort ziemlich unspektakulär: Ich hatte Hunger. Ganz normalen Hunger. Und natürlich kam relativ schnell der völlig unvernünftige Gedanke auf: Funktioniert das überhaupt? Wochenlang hatte ich über die Behandlung nachgedacht, recherchiert, mit meiner Ärztin gesprochen und auf den Start gewartet. Dann nimmt man morgens die erste Tablette und erwartet innerlich vielleicht doch ein kleines bisschen, dass um 10 Uhr irgendein Schalter umgelegt wird. So war es nicht. Eigentlich hätte ich das wissen können. Gerade für diesen Punkt fehlten mir vorab aber Erfahrungswerte. Wann merkt man etwas? Wie fühlt sich reduzierter Hunger an? Kommt der Effekt sofort oder entwickelt er sich langsam? Dazu kommt, dass jede Behandlung mit der niedrigsten Dosierung von 1,5 mg startet und die eigentliche Dosis erst Schritt für Schritt erhöht wird. Von der allerersten Tablette direkt einen spektakulären Effekt zu erwarten, wäre also vermutlich ziemlich vermessen.
Tag zwei: Zum ersten Mal weniger Hunger
Heute ist mein zweiter Einnahmetag. Von der langen Liste möglicher Nebenwirkungen habe ich bislang zum Glück noch nicht viel erleben dürfen. Lediglich gestern Nachmittag war mir zeitweise etwas schwindelig. Darüber hinaus ist bisher eigentlich nichts Besonderes passiert. Heute merke ich allerdings zum ersten Mal etwas, das sich tatsächlich nach der erhofften Wirkung anfühlen könnte: Der Hunger ist weniger geworden.
Essen ist mir dadurch nicht plötzlich völlig egal und von kompletter Appetitlosigkeit kann ebenfalls keine Rede sein. Vielmehr scheint dieses typische Hungergefühl etwas schwächer zu sein. Auch der Gedanke daran, wann es das nächste Mal etwas zu essen gibt, drängt sich weniger in den Vordergrund. Genau darum geht es für mich eigentlich. Mein Ziel ist nicht, Essen plötzlich abstoßend zu finden oder möglichst gar nichts mehr zu mir zu nehmen. Viel angenehmer wäre es, wenn der ständige Gedanke ans Essen einfach ein Stück leiser würde.
Ob dieser Eindruck an Tag zwei tatsächlich schon auf Wegovy zurückzuführen ist, ob er sich in den nächsten Tagen bestätigt und wie sich das Ganze mit steigender Dosierung entwickelt, kann ich natürlich noch überhaupt nicht beurteilen. Aber zumindest fühlt sich der zweite Tag bereits etwas anders an als der erste.
Warum ich meine Erfahrungen festhalten möchte
Ein zusätzlicher Punkt macht die Einordnung momentan schwierig: Fast alles, was man online über Wegovy liest, bezieht sich auf die bekannte Spritze. Die wird nur einmal pro Woche angewendet und arbeitet mit einem anderen Dosierungsschema als die täglich einzunehmende Tablette. Viele Erfahrungsberichte lassen sich deshalb meiner Meinung nach nicht einfach eins zu eins übertragen. Bei der Spritze findet man inzwischen Berichte für nahezu jede Phase der Behandlung. Die Tablettenvariante ist dagegen noch deutlich neuer, und genau deshalb wusste ich vor meinem Start gar nicht so recht, was mich erwarten würde.
Vielleicht ist das auch der eigentliche Grund für diesen Artikel. Ich möchte festhalten, wie sich die Behandlung tatsächlich anfühlt. Nicht aus der Perspektive einer Studie, eines Beipackzettels oder einer Hochglanzbroschüre, sondern einfach aus meiner persönlichen Sicht. Wie entwickelt sich mein Hunger? Was verändert sich beim Essen? Kommen Nebenwirkungen dazu? Wie fühlt sich die nächste Dosierungsstufe an? Und natürlich irgendwann die entscheidende Frage: Was passiert auf der Waage?
Nach zwei Tagen lässt sich darauf noch keine vernünftige Antwort geben. Vielleicht funktioniert Wegovy für mich am Ende genauso gut, wie ich es mir erhoffe. Vielleicht kommen Nebenwirkungen dazu. Vielleicht verändert sich mein Hungergefühl stärker. Vielleicht wird es auch Phasen geben, in denen ich die ganze Sache erneut infrage stelle. Genau deshalb soll daraus keine Erfolgsgeschichte werden, bevor überhaupt etwas passiert ist.
Es ist einfach mein persönlicher Startpunkt: zwei Tage Wegovy als Tablette, 1,5 mg am Morgen, bislang kaum Nebenwirkungen und heute zum ersten Mal das Gefühl, dass mein Hunger etwas weniger geworden ist.
Mehr kann ich im Moment noch nicht sagen. Aber irgendwo muss dieses kleine Wegovy-Tagebuch ja anfangen.
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