Microduck: Dieser 399-Dollar-KI-Roboter ist eine kleine Ente mit erstaunlich viel Technik
Roboter müssen offenbar nicht immer aussehen wie Menschen. Hugging Face und Pollen Robotics zeigen mit dem Microduck gerade ziemlich charmant, dass ein kleiner watschelnder Vogel vielleicht sogar der sympathischere Weg ist. Der neue Open-Source-Roboter ist rund 25 Zentimeter groß, wiegt weniger als 800 Gramm und kann ab sofort für 399 Dollar vorbestellt werden.
Das klingt zunächst nach einem ziemlich teuren Spielzeug. Microduck richtet sich aber vor allem an Entwickler, Robotik-Fans und Menschen, die mit KI und Reinforcement Learning experimentieren möchten. Und ganz nebenbei sieht das Ding eben aus wie eine kleine Roboterente.
15 Motoren in einer 25 Zentimeter großen Ente
Im Microduck stecken insgesamt 15 Motoren. Sie bewegen Beine, Kopf, Hals und den kleinen Schnabel. Dadurch kann der Roboter laufen, sitzen, in die Hocke gehen und sich nach vielen typischen Stürzen selbst wieder aufrichten. Laut Hersteller kann er sogar Rollschuh fahren.
Dazu kommen eine Kamera, ein kleiner LiDAR-Sensor und zwei IMUs zur Erfassung von Bewegung und Lage. Der bewegliche Schnabel ist nicht nur Deko: Microduck kann damit kleine Gegenstände aufnehmen.
Das Konzept erinnert ein bisschen an die Roboterhunde, die seit Jahren durch Tech-Demos laufen, nur in deutlich kleiner, günstiger und weniger einschüchternd. Genau das ist Absicht. Wenn ein großer humanoider Roboter beim Training ständig umfällt, kann das teuer und gefährlich werden. Bei einer 800-Gramm-Ente hält sich das Drama in Grenzen.

Open Source statt abgeschottetem Gadget
Der eigentlich interessante Punkt ist die Software. Hugging Face und Pollen Robotics stellen den Software-Stack offen zur Verfügung. Es gibt ein SDK, die Roboter-Software und Werkzeuge für Reinforcement Learning. Entwickler können also eigene Bewegungen, Experimente und Verhaltensweisen programmieren.
Einige Dinge funktionieren schon direkt nach dem Auspacken. Microduck lässt sich beispielsweise per Gamepad steuern oder kann einem Laserpunkt folgen. Vorgefertigte Bewegungsmuster sorgen dafür, dass er auf seine Umgebung reagieren kann, ohne dass man zuerst wochenlang Code schreiben muss.
Damit liegt der Roboter irgendwo zwischen Lernplattform, Entwickler-Kit und absurd niedlichem Desktop-Gadget. Gerade diese Mischung könnte funktionieren. Robotik ist ein Bereich, der für Einsteiger schnell teuer und kompliziert wird. Ein fertiges System für 399 Dollar ist zwar kein Impulskauf, aber verglichen mit vielen professionellen Robotik-Plattformen erstaunlich zugänglich.
Keine sprechende KI-Assistentin
Wer jetzt auf eine Art ChatGPT-Ente hofft, die durch die Wohnung läuft und Fragen beantwortet, bekommt zunächst etwas anderes. Microduck soll bewusst nicht wie ein klassischer Sprachassistent auftreten. Er besitzt zwar Mikrofon und Lautsprecher, kommuniziert aber über Geräusche.
Nach der Einrichtung bekommt jeder Roboter sogar eine dauerhafte eigene „Audio-Identität“. Die Entwickler wollen offenbar eher das Gefühl eines kleinen digitalen Wesens erzeugen als das eines Alexa-Lautsprechers auf Beinen.
Ich mag diesen Ansatz. Gerade bei Consumer-Robotern versucht die Branche seit Jahren, Maschinen möglichst menschlich wirken zu lassen. Vielleicht muss ein Roboter aber gar kein künstlicher Mensch sein. Eine Ente, die watschelt, Dinge aufhebt und beim Umfallen wieder aufsteht, hat wahrscheinlich schon genug Persönlichkeit.
Eine Stunde Akku und vier Farben
Technisch ist Microduck erwartungsgemäß kein Hochleistungscomputer. An Bord sind 32 GB Speicher und 1 GB RAM. WLAN und Bluetooth sind ebenfalls dabei. Der 2.600-mAh-Akku soll ungefähr eine Stunde Dauerbetrieb ermöglichen.
Zum Start gibt es vier Farbvarianten: Cream, Graphite, Lavender und Sky. Die ersten Geräte sollen in den USA noch vor Weihnachten verschickt werden. Wie schnell und zu welchem Preis Microduck offiziell nach Europa kommt, ist noch offen.
Robotik wird langsam zum Hobby
Das Spannende an Microduck ist für mich weniger die einzelne Ente als das, was dahintersteht. KI-Software ist in den vergangenen Jahren extrem zugänglich geworden. Lokale Sprachmodelle kann man inzwischen auf normalen Rechnern ausprobieren. Der nächste Schritt könnte sein, dass auch Robotik aus Universitätslaboren und Industriehallen langsam auf den Schreibtisch wandert.
Wenn offene Hardware, günstige Sensoren und Open-Source-KI zusammenkommen, entsteht eine ganz neue Bastler-Szene. Raspberry Pi hat etwas Ähnliches beim Computing geschafft. Vielleicht werden kleine Roboter irgendwann genauso selbstverständlich für Experimente genutzt.
Und wenn dieser Weg mit einer 25 Zentimeter großen Ente beginnt, die Fußball spielen und Rollschuh fahren kann, bin ich ehrlich gesagt völlig fein damit.
Offizielle Presse-, Produkt- und Bildquelle: https://pollen-robotics.com/
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