Test: E-Bike 2.0 mit Shimano Steps Antriebssystem

Wer mich etwas besser kennt, der weiß, dass ich nicht der größte Sportler vor dem Herrn war und auch bis heute nicht bin.

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Eine nicht zu verachtende Operation am Fuß mit drei Jahren, genauer gesagt an der Achillesferse, hat mich nie wirklich zu irgendwas Besonderem werden lassen, in Sachen Sport. Als Kind wurde mir immer gesagt, ich solle den Fuß bzw. das Bein schönen und aufpassen, dass ich nicht umknicke. Naja, mit der Angst im Kopf, dass das Implantat reißen oder brechen könnte, habe ich meine sportlichen Ansprüche immer weiter heruntergeschraubt.

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Ich bin mehr schlecht als recht Skateboard gefahren. Schnell und sicher – aber ich konnte nur wenige Tricks. Zu groß war die Angst, dass ich umknicke oder mir den Fuß breche. Auch beim Handball, immerhin habe ich vier Jahre gespielt, habe ich darauf geachtet, dass es meinem Fuß gut geht.

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Heute – ein paar Jahrzehnte später – achte ich aktuell gerade sehr auf meine Ernährung, gehe mehrmals am Tag mit dem Hund spazieren und habe wieder mit dem Fahrradfahren angefangen. Mit meinem Kettler „Berlin“ Delivery Bike war das aber eher schwierig, da das Rad sehr schwer war und mein Knie nach wenigen Kilometern bereits zu schmerzen begann. Eine Folge der Nichtbelastung in meiner Jugend und als junger Erwachsener.

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Also habe ich meinen Fahrradhändler aufgesucht und ihm das Problem geschildert. Außerdem wollte ich mein schweres Rad in Zahlung geben – immerhin war ich damit ja nur 10 Mal gefahren.

Doch der Kollege Fahrradhändler hatte eine Idee. „Wieso probieren Sie nicht einmal ein E-Bike aus?“ Ein E-Bike sollte ich ausprobieren? Wie alt bin ich denn? So alt doch nun auch wieder nicht. Meine Eltern haben E-Bikes. Die sehen 1. nicht wirklich cool aus (also die Räder) und 2. haben meine Eltern die Räder erst mit knapp 70 Jahren angeschafft. Bis dahin habe ich aber noch ein paar Jahre vor mir. E-Bike? Echt jetzt?

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Diese Gedanken teilte ich natürlich direkt mit dem freundlichen Fahrradhändler, der nur kurz hinter sich griff und ein sehr sportlich anmutendes Cannondale Rad hinter einer Säule hervorzog. Wow! Das Ding sah aus wie ein abgespecktes Touring-Rad – ohne Bleche, Lampen … sehr einfach, schwarz… mit wenig Eigenwerbung drauf. Ein feines Rad. Und das sollte ein E-Bike sein?

War es. Aber waren E-Bikes nicht immer mit klobigen Motoren am Tretlager ausgestattet und darum auch sofort als solche zu erkennen? Nein! Offenbar nicht mehr, denn das Cannondale hier hatte den neuen Shimano Steps – Motor, welcher nur ein bisschen größer ist, als ein normales Tretlager. Lediglich der Akku am Rahmen erinnerte mich an die klobigen und hässlichen E-Bikes der letzten Jahre, die mir bis dahin untergekommen waren. Aber selbst der Akku hatte eine sportliche Form und passte perfekt zum Gesamtbild.

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Ich hatte das Thema E-Bikes also völlig ausgeblendet und nicht mitbekommen, dass alle großen Hersteller immer neue und schickere – und vor allem sportlichere – Räder auf den Markt gebracht haben. Vom Nischen-Freizeitrad zum urbanen und grünen Fortbewegungsmittel mit Lifestyle-Charakter und einem Marktanteil von 12 Prozent. Noch Fragen? Fast eine halbe Million E-Bikes wurden alleine im letzten Jahr in Deutschland verkauft. Das sind 17% mehr also noch 2013.

Klar, dass ich mich sofort auf das Rad schwang und eine Runde drehte. Und was soll ich sagen? Es war genial. Der Motor unterstützt einen beim Treten mehr oder weniger – je nachdem wie man es gerade braucht. Entweder man gleitet dezent dahin oder aber man gibt richtig Gas. Bis zu vier verschiedene Support-Stufen stehen einem hier zur Verfügung. Im Eco-Modus ist eine Reichweite von bis zu 125 Kilometern möglich.

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Bis zu 28 Kilometer in der Stunde fahren die aktuellen E-Bikes mit Shimano Steps – Antriebssystem. Will man schneller unterwegs sein – muss man wieder selber treten. Fairer Deal.

Apropos selber treten: Natürlich kann man den Motor auch einfach ausgeschaltet lassen und das Rad normal nutzen – wie früher auch. Das ist ganz interessant, wenn man mal richtig powern möchte oder mit Menschen unterwegs ist, die kein E-Bike haben und auch sonst eher langsam fahren – so wie meine Tochter.

DSC01479Da ein solches Rad natürlich seinen (angemessenen, wie ich finde)  Preis hat, habe ich den Kauf noch ein wenig verschoben.

Wenige Tage später klingelte bei mir das Telefon. Die Firma Shimano ließ anfragen, ob ich nicht Interesse hätte, mit einem Test-Rad ein paar Kilometer zu fahren und von meinen Erlebnissen zu berichten. Klar, wollte ich.

Welch ein Zufall. Genau dann, wenn ich mich mit E-Bikes beschäftige, taucht der der Weltmarktführer im Fahrradkomponentenbereich auf und möchte mich für seine Produkte begeistern.

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Das Test-Rad kam und ist nun gut zwei Monate bei mir. Seitdem bin ich oft gefahren. Mal schnell, mal entspannt… und oft auch einfach nur so. Brötchen holen, zum Einkaufen, zur Post, Eis essen … oder mal eben eine Runde, um den Kopf frei zu bekommen. Habe ich früher nie gemacht. Entweder weil ich nicht schwitzen und außer Atem sein – oder keine Schmerzen haben wollte. Irgendeinen Grund gab es immer.

Mein Knie? Bis jetzt habe ich keine Probleme mit meinem Knie. Keine Schmerzen mehr. Ein Gewinn für mich und meine Familie, da wir nun wieder öfter mit dem Rad unterwegs sind.

DSC01489Zurück zur verbauten Technologie:

Was mich beim Shimano Steps Motor besonders begeistert ist, ist die Tatsache, dass man ihn „updaten“ kann. Ähnlich ein Smartphone oder ein Computer kann man – also der Fachhändler – dem Antrieb neue Fähigkeiten etc. einhauen. Software-Updates machen es möglich. Schmutzige Hände und „Operationen am offenen Motor“? Das war gestern! Denn mit der neuen E-Bike-Komponentengruppe von Shimano – Shimano STEPS – werden Neuentwicklungen für das Elektrorad ab sofort nicht mehr montiert, sondern via USB installiert.

E-Bike 2.0: Ob Start-Modus oder Schiebehilfe – ganz egal welche Neuerungen entwickelt werden, ein kurzes Systemupdate über das Shimano E-Tube-System beim Fachhändler und man nennt wieder die neuste E-Bike-Technik sein Eigen. So lässt sich zum Beispiel auch das für 2016 geplante Update von der halb- zur vollautomatischen Schaltung schnell und einfach installieren.

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Ohne weitere Teile oder Komponenten austauschen zu müssen, ist dann möglich, was man bisher nur aus dem Auto kennt: Stressfreies Fahren ohne manuelle Gangwechsel. Bedeutet also, dass ich mir jederzeit ein Rad kaufen kann und trotzdem immer technisch auf dem neuesten Stand bin.

In Kürze werde ich das Test-Rad zurück an Shimano schicken und den Kauf eines richtig coolen und sportlichen Rades in Betracht ziehen, denn wenn das Rad einmal weg ist, werden wir es alle schmerzlich vermissen – soviel steht fest. Sollte sich in Sachen E-Bikes bei mir wieder etwas tun, werde ich euch natürlich davon berichten.