Rote Vögel gegen grüne Schweine

Nach dem Lesen dieser Überschrift, wird sich die Leserschaft in zwei Teile spalten.

Der eine Teil denkt: Hä, was soll das? Der andere Teil weiß sofort, wovon die Rede ist: Angry Birds! Nach dem phänomenal erfolgreichen ersten Teil, hat das Entwicklerstudio Rovio vor einiger Zeit nachgelegt und Angry Birds 2 auf den Markt gebracht.

Das Spielprinzip ist so simpel wie genial: Der Spieler schießt Vögel auf Schweine. Doch der erste Teil von Angry Birds ist eines der meistverkauften Apps aller Zeiten, hat seine Erfinder zu Millionären gemacht und ist längst Bestandteil der Popkultur. Der finnische Hersteller Rovio bastelte bereits seit 2003 an mehr oder minder erfolgreichen Gameapps für mobile Endgeräte. Doch der absolute Durchbruch kam 2009 mit Angry Birds. In der Folge wagte das Unternehmen
sogar den Börsengang und wird nun mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet.

10262384803_3e712fde06_kDas Spielprinzip an sich ist einfach. Alle Schweine müssen ausgelöscht werden, dazu steht eine bestimmte Anzahl von Vögeln zur Verfügung. Im zweiten Teil haben diese Vögel nun auch verschiedene Eigenschaften. Den eigentlichen Reiz des Spiels machen aber die Konstruktionen aus, in denen sich die Schweine befinden. Denn mit einem klugen Schleudern des Vogels, kann das ganze Konstrukt zum Einsturz gebracht werden. Dabei ist der Schwierigkeitsgrad durchaus hoch: Umso größer die Freude, wenn man nach endlosem Rumprobieren endlich wieder ein Level geschafft hat. Rovio bietet die Basisversion des Spiels kostenlos an, es gibt allerdings die Möglichkeit, zusätzliche Leben oder Vögel per In-App-Kauf zu erhalten. Die Anzahl der Level wird kontinuierlich erhöht, derzeit gibt es schon über 300. Der erste Teil der Reihe kam auf über 600 Level.

Prominente Fangemeinde

Die Fangemeinde reicht vom britischen Premierminister David Cameron bis zum Träger des Literaturnobelpreis Salman Rushdie. Auch Shakira und Justin Bieber haben sich als Angry-Birds-Fans geoutet. Rovio hat längst den Schritt vom Spieleentwickler zum Unterhaltungskonzern eingeleitet. Die finnische Firma kaufte sogar eigens eine Filmfirma, um Zeichentrickfilme zum Spiel zu produzieren. Es gibt Kleidung, Plüschtiere und Comics. Ganze Freizeitparks widmen sich den Vögeln und Schweinen, ein Kinofilm ist geplant.

DSC_0513Doch gleichzeitig ist Angry Birds 2 zum Erfolg verdammt. Denn der Umsatz des Unternehmens ging zuletzt zurück. Rovio musste sich von vielen Mitarbeitern trennen, längst gibt es andere Spiele, die ähnlich angesagt sind, wie der finnische Titel. Ein Rückschlag für Rovio waren ausgerechnet die Enthüllungen von Edward Snowden. Der erste Teil soll angeblich als Einfallstor für amerikanische und britische Geheimdienste genutzt worden sein. Rovio dementierte eine Zusammenarbeit mit Nachrichtendiensten zwar klar und deutlich, gab aber zu, dass eine vollständige Sicherheit nicht gewährleistet werden könne.

Wett-Apps immer beliebter

Ganz allgemein bewegt sich das App-Geschäft immer weiter von den klassischen Spiele Apps weg. Einer der Trends der letzten Jahre sind Sportwetten- oder Casino-Apps. Online-Wettportale verzeichnen nach wie vor hohe Zuwachsraten. Die Verbreitung von Smartphones kommt ihnen enorm zu Gute, denn Wetten können mittlerweile von überall abgeschlossen werden.

Man schaut Fußball live im Fernsehen oder online bei den Buchmachern und platziert in Sekundenschnelle seine Wette. Im Konkurrenzkampf mit den Wettanbietern laufen traditionelle Spielentwickler Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. Nicht zuletzt deshalb ist der Umbau von Rovio hin zu einem breit aufgestellten Unterhaltungskonzern nur folgerichtig.