Wegovy Abnehmtablette Abnehmspritze Tablette

Wegovy als Tablette: Meine Erfahrungen mit Semaglutid ab Tag 1

Wegovy als Tablette: Warum ich mich dafür entschieden habe und wie sich die ersten Tage anfühlen

Seit Anfang September nehme ich Wegovy in Tablettenform. Die Entscheidung dafür ist nicht spontan gefallen. Ausschlaggebend war zunächst mein BMI, der knapp über der Grenze liegt, ab der eine medikamentöse Behandlung zur Gewichtsreduktion grundsätzlich infrage kommt. Zusätzlich spielt bei mir noch ein anderer Punkt eine Rolle: Ich habe eine eher leichte Form von Morbus Crohn. Bei meiner Recherche bin ich unter anderem auf medizinische Veröffentlichungen gestoßen, die sich mit GLP-1-Medikamenten bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beschäftigen. Die bisherigen Erkenntnisse bedeuten natürlich nicht, dass Medikamente wie Semaglutid Morbus Crohn behandeln können. Es gibt aber interessante Hinweise darauf, dass GLP-1-Therapien bei entsprechenden Patienten möglicherweise auch im Zusammenhang mit dem Verlauf chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen positive Effekte haben könnten. Genau dieser Aspekt war für mich ein zusätzlicher Grund, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

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Keine spontane Entscheidung

Wegovy wollte ich nicht einfach mal ausprobieren, nur weil das Thema momentan überall auftaucht. Schon seit mehreren Wochen lese ich Studien, medizinische Veröffentlichungen und Erfahrungsberichte und versuche, Nutzen und mögliche Risiken möglichst realistisch gegeneinander abzuwägen. Vor allem aber stehe ich dabei in engem Austausch mit meiner Hausärztin. Wir haben ausführlich über die Behandlung gesprochen und werden sie auch weiterhin medizinisch begleiten. Die Tabletten stammen also nicht irgendwo aus dem Internet, wo ich ein paar Fragen beantwortet, irgendwo einen Haken gesetzt und anschließend ein Medikament bestellt habe. Für mich gehört zu einer solchen Therapie eine vernünftige ärztliche Betreuung dazu. Schließlich handelt es sich nicht um irgendein Nahrungsergänzungsmittel, sondern um ein Medikament, das spürbar in Prozesse des Körpers eingreift.

Natürlich ist mir bewusst, dass es Menschen geben wird, die mich anschauen und sich fragen: Braucht der das wirklich? Ist er überhaupt übergewichtig genug? Ist er überhaupt „würdig“, so ein Medikament zu bekommen? Diesen Gedanken kann ich sogar ein Stück weit nachvollziehen. Gerade rund um Wegovy und andere GLP-1-Medikamente wird ziemlich emotional darüber diskutiert, wer diese Medikamente bekommen sollte und wer nicht. In meinem Fall erfülle ich die medizinischen Voraussetzungen, habe die Entscheidung gemeinsam mit meiner Ärztin getroffen und bezahle die Behandlung selbst. Ich nehme also niemandem auf Kosten der Krankenkasse eine Therapie weg. Ehrlich gesagt gehe ich auch nicht davon aus, dass meine Krankenkasse die Behandlung irgendwann übernehmen wird, selbst mit meiner Morbus-Crohn-Erkrankung nicht. Deshalb hoffe ich einfach auf etwas Verständnis. Menschen können sehr unterschiedliche Gründe haben, sich für eine solche Behandlung zu entscheiden, und von außen kennt man eben nicht immer die ganze Geschichte.

Warum für mich gerade die Tablette interessant ist

Ein ganz praktischer Punkt spielt für mich ebenfalls eine ziemlich große Rolle: die Sache mit dem Spritzen. Ich kann das einfach nicht. Andere Menschen setzen sich ihre Spritzen völlig selbstverständlich selbst und machen daraus überhaupt kein großes Ding. Easy peasy. Bei mir funktioniert das schlicht nicht. Selbst mein Biologikum gegen Morbus Crohn, das nur alle drei Monate gespritzt werden muss, lasse ich mir geben, weil ich es selbst nicht hinbekomme. Genau deshalb war die klassische Wegovy-Spritze für mich bislang immer eine echte Hürde. Natürlich hätte sich vermutlich irgendeine Lösung finden lassen, aber die Vorstellung, mir regelmäßig selbst eine Spritze setzen zu müssen, hat das Thema für mich nicht gerade attraktiver gemacht. Die Tablettenform nimmt mir diese Hürde komplett ab und macht die Behandlung für mich persönlich deutlich alltagstauglicher.

Gestartet wird mit der niedrigsten Dosierung von 1,5 mg Semaglutid täglich. Diese Anfangsdosis habe ich nicht selbst gewählt, sondern sie gehört zum vorgesehenen Dosierungsschema. Anschließend wird die Menge Schritt für Schritt erhöht. Über 4 mg und 9 mg geht es schließlich auf 25 mg täglich. Die langsame Steigerung über mehrere Monate soll dem Körper Zeit geben, sich an den Wirkstoff zu gewöhnen und mögliche Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. Wer einen Blick auf den Beipackzettel wirft, findet dort natürlich trotzdem eine ganze Reihe möglicher Beschwerden, insbesondere im Magen-Darm-Bereich. Übelkeit, Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen gehören zu den Dingen, über die bei GLP-1-Medikamenten immer wieder gesprochen wird. Wie stark mich davon etwas treffen wird, lässt sich nach den ersten Tagen natürlich noch überhaupt nicht sagen.

Die Einnahme braucht ein bisschen Planung

Ganz so simpel wie morgens irgendeine Tablette mit dem ersten Kaffee herunterzuspülen, ist Wegovy allerdings nicht. Die Einnahme erfolgt nüchtern. Danach muss man mindestens 30 Minuten warten, bevor man etwas isst, etwas anderes trinkt oder weitere Medikamente einnimmt. Auch bei der Wassermenge sollte man sich an die Vorgaben halten. Hintergrund ist vor allem die Aufnahme des Wirkstoffs. Werden die Regeln nicht eingehalten, kann weniger Semaglutid im Körper ankommen.

Zum Glück lässt sich das für mich ziemlich einfach in den Alltag integrieren. Mein Wecker klingelt ohnehin gegen 6 Uhr. Direkt nach dem Aufstehen nehme ich die Tablette und bis mindestens 6:30 Uhr gibt es weder Frühstück noch Kaffee. Danach läuft der Morgen ganz normal weiter. Wenn das die größte organisatorische Hürde bleibt, kann ich damit ziemlich gut leben. Gleichzeitig finde ich spannend, was sich in diesem Bereich derzeit alles entwickelt. Auch andere Pharmaunternehmen arbeiten an Medikamenten in Tablettenform und verfolgen teilweise Ansätze, bei denen solche strengen Vorgaben rund um Essen, Trinken und das morgendliche Zeitfenster nicht mehr notwendig sein sollen. Die Spritze wird sicher nicht verschwinden, aber Tabletten könnten für Menschen wie mich künftig eine ziemlich interessante Alternative werden.

Wie fühlt sich Wegovy eigentlich an?

Genau diese Frage hat mich vor der ersten Einnahme wahrscheinlich am meisten beschäftigt. Über mögliche Gewichtsverluste hatte ich einiges gelesen. Berichte über Übelkeit und andere Nebenwirkungen gibt es ebenfalls mehr als genug. Auch ungefähr zu verstehen, was Semaglutid im Körper macht, ist nicht besonders schwer. Trotzdem blieb für mich eine ganz einfache Frage offen: Wie fühlt sich das Ganze eigentlich an? Merkt man plötzlich, dass man keinen Hunger mehr hat? Schaut man ein Brötchen an und denkt sich: Nein danke? Wird der Appetit einfach etwas schwächer? Ist einem schlecht? Oder passiert anfangs vielleicht erst einmal überhaupt nichts?

Am ersten Tag war die Antwort ziemlich unspektakulär: Ich hatte Hunger. Ganz normalen Hunger. Und natürlich kam relativ schnell der völlig unvernünftige Gedanke auf: Funktioniert das überhaupt? Wochenlang hatte ich über die Behandlung nachgedacht, recherchiert, mit meiner Ärztin gesprochen und auf den Start gewartet. Dann nimmt man morgens die erste Tablette und erwartet innerlich vielleicht doch ein kleines bisschen, dass um 10 Uhr irgendein Schalter umgelegt wird. So war es nicht. Eigentlich hätte ich das wissen können. Gerade für diesen Punkt fehlten mir vorab aber Erfahrungswerte. Wann merkt man etwas? Wie fühlt sich reduzierter Hunger an? Kommt der Effekt sofort oder entwickelt er sich langsam? Dazu kommt, dass jede Behandlung mit der niedrigsten Dosierung von 1,5 mg startet und die eigentliche Dosis erst Schritt für Schritt erhöht wird. Von der allerersten Tablette direkt einen spektakulären Effekt zu erwarten, wäre also vermutlich ziemlich vermessen.

Tag zwei: Zum ersten Mal weniger Hunger

Heute ist mein zweiter Einnahmetag. Von der langen Liste möglicher Nebenwirkungen habe ich bislang zum Glück noch nicht viel erleben dürfen. Lediglich gestern Nachmittag war mir zeitweise etwas schwindelig. Darüber hinaus ist bisher eigentlich nichts Besonderes passiert. Heute merke ich allerdings zum ersten Mal etwas, das sich tatsächlich nach der erhofften Wirkung anfühlen könnte: Der Hunger ist weniger geworden.

Essen ist mir dadurch nicht plötzlich völlig egal und von kompletter Appetitlosigkeit kann ebenfalls keine Rede sein. Vielmehr scheint dieses typische Hungergefühl etwas schwächer zu sein. Auch der Gedanke daran, wann es das nächste Mal etwas zu essen gibt, drängt sich weniger in den Vordergrund. Genau darum geht es für mich eigentlich. Mein Ziel ist nicht, Essen plötzlich abstoßend zu finden oder möglichst gar nichts mehr zu mir zu nehmen. Viel angenehmer wäre es, wenn der ständige Gedanke ans Essen einfach ein Stück leiser würde.

Ob dieser Eindruck an Tag zwei tatsächlich schon auf Wegovy zurückzuführen ist, ob er sich in den nächsten Tagen bestätigt und wie sich das Ganze mit steigender Dosierung entwickelt, kann ich natürlich noch überhaupt nicht beurteilen. Aber zumindest fühlt sich der zweite Tag bereits etwas anders an als der erste.

Warum ich meine Erfahrungen festhalten möchte

Ein zusätzlicher Punkt macht die Einordnung momentan schwierig: Fast alles, was man online über Wegovy liest, bezieht sich auf die bekannte Spritze. Die wird nur einmal pro Woche angewendet und arbeitet mit einem anderen Dosierungsschema als die täglich einzunehmende Tablette. Viele Erfahrungsberichte lassen sich deshalb meiner Meinung nach nicht einfach eins zu eins übertragen. Bei der Spritze findet man inzwischen Berichte für nahezu jede Phase der Behandlung. Die Tablettenvariante ist dagegen noch deutlich neuer, und genau deshalb wusste ich vor meinem Start gar nicht so recht, was mich erwarten würde.

Vielleicht ist das auch der eigentliche Grund für diesen Artikel. Ich möchte festhalten, wie sich die Behandlung tatsächlich anfühlt. Nicht aus der Perspektive einer Studie, eines Beipackzettels oder einer Hochglanzbroschüre, sondern einfach aus meiner persönlichen Sicht. Wie entwickelt sich mein Hunger? Was verändert sich beim Essen? Kommen Nebenwirkungen dazu? Wie fühlt sich die nächste Dosierungsstufe an? Und natürlich irgendwann die entscheidende Frage: Was passiert auf der Waage?

Nach zwei Tagen lässt sich darauf noch keine vernünftige Antwort geben. Vielleicht funktioniert Wegovy für mich am Ende genauso gut, wie ich es mir erhoffe. Vielleicht kommen Nebenwirkungen dazu. Vielleicht verändert sich mein Hungergefühl stärker. Vielleicht wird es auch Phasen geben, in denen ich die ganze Sache erneut infrage stelle. Genau deshalb soll daraus keine Erfolgsgeschichte werden, bevor überhaupt etwas passiert ist.

Es ist einfach mein persönlicher Startpunkt: zwei Tage Wegovy als Tablette, 1,5 mg am Morgen, bislang kaum Nebenwirkungen und heute zum ersten Mal das Gefühl, dass mein Hunger etwas weniger geworden ist.

Mehr kann ich im Moment noch nicht sagen. Aber irgendwo muss dieses kleine Wegovy-Tagebuch ja anfangen.


JP Performance, Jean Piere Krämer

JP Performance vor dem Aus: Was bei Jean Pierre Kraemer gerade wirklich passiert

Es gibt Geschichten, bei denen man schon nach einem Tag merkt, dass sie größer werden als ein einzelner Social-Media-Skandal. Genau so fühlt sich die Situation rund um Jean Pierre „JP“ Kraemer gerade an. Innerhalb weniger Tage ist aus einem öffentlich gewordenen privaten Konflikt eine Krise geworden, die inzwischen seine Ehe, strafrechtliche Ermittlungen, Geschäftspartner, Mitarbeiter und letztlich das komplette Firmenkonstrukt von JP Performance betrifft. Am 1. September 2026 hat Kraemer schließlich selbst die weitreichendste Konsequenz angekündigt: Er will JP Performance nicht weiterführen und nach eigener Aussage seine Unternehmen schließen. Das ist insofern bemerkenswert, weil JP Performance längst nicht mehr einfach nur eine Tuning-Werkstatt ist. Hinter der Marke steht ein ganzes Ökosystem aus YouTube, Kleidung, Autopflege, Gastronomie, Museum, Fahrzeugprojekten und verschiedenen weiteren Firmen.

JP Performance, Jean Piere Krämer
Am Anfang stehen schwere Vorwürfe aus der Ehe

Ende August wurden schwere Vorwürfe häuslicher Gewalt gegen Jean Pierre Kraemer öffentlich. Seine Noch-Ehefrau Julia Meck schilderte gegenüber Medien, es habe in der Beziehung wiederholt körperliche und psychische Übergriffe gegeben. Kraemer reagierte am 28. August mit zwei Videos auf seinem YouTube-Kanal und bestätigte dabei selbst zumindest einzelne körperliche Übergriffe. Unter anderem räumte er ein, seine Frau mit der flachen Hand geschlagen und ihr bei einem Streit eine Kette vom Hals gerissen zu haben. WDR und andere Medien berichten zudem über Videoaufnahmen einer Auseinandersetzung, die öffentlich geworden sind. Kraemer stellte den Konflikt in seinen ersten Stellungnahmen allerdings teilweise als gegenseitige Eskalation dar und erklärte, auch er sei körperlich angegriffen worden. Julia Meck widerspricht dieser Darstellung in wesentlichen Punkten und erhebt deutlich weitergehende Vorwürfe. Genau an dieser Stelle ist eine klare Trennung wichtig: Dass Kraemer selbst körperliche Gewalt eingeräumt hat, ist bestätigt. Andere konkrete Vorwürfe aus der Beziehung sind bislang Vorwürfe und nicht abschließend gerichtlich geklärt.

Nach Angaben des WDR bestätigte die Polizei außerdem einen Einsatz am 26. Juli 2026 in Kraemers Dortmunder Wohnhaus. Im Zusammenhang mit einem heftigen Streit wurden Ermittlungen wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet. Die Noch-Ehefrau hat inzwischen über ihren Anwalt einen Strafantrag gestellt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund prüft den Fall beziehungsweise das weitere strafrechtliche Vorgehen. Das ist ein wichtiger Unterschied zur öffentlichen Debatte: Social Media fällt Urteile innerhalb von Stunden. Strafrechtlich ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen.

Auszeit und Therapie waren zunächst der Plan

Nach den ersten Statements kündigte Kraemer zunächst an, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Er erklärte, eine Auszeit nehmen und sich therapeutische Hilfe suchen zu wollen. Medien berichteten, er wolle sich zunächst zu seinem Vater zurückziehen. Zu diesem Zeitpunkt sah es noch so aus, als sollten die Unternehmen zumindest weitgehend weiterlaufen. Noch am 31. August wurde berichtet, dass mehrere Dortmunder Betriebe trotz Kraemers persönlicher Auszeit geöffnet bleiben sollten. Nur einen Tag später änderte sich diese Situation komplett.

Am 1. September veröffentlichte JP Kraemer ein weiteres Video auf seinem YouTube-Kanal. Diesmal ging es nicht mehr nur um eine persönliche Auszeit. Kraemer erklärte darin: „Ich möchte euch mitteilen, dass ich die Firma JP Performance nicht weiterführen werde.“ Im weiteren Verlauf spricht er davon, alle seine Unternehmen schließen zu wollen. Das Video bezeichnet er selbst sinngemäß als möglicherweise sein letztes. Er entschuldigt sich darin erneut bei Julia Meck und seiner Community und sagt unter anderem, er sei „kein böser Mensch“, habe sich aber offenbar nicht immer unter Kontrolle. Damit hat die Krise eine komplett neue Dimension erreicht.

Was bedeutet das für JP Performance?

JP Performance ist über Jahre zu einer der größten Personenmarken der deutschen Auto-Szene geworden. Der YouTube-Kanal zählt rund 2,7 Millionen Abonnenten. Aus der 2012 gegründeten Tuningfirma entstand ein weit verzweigtes Geschäftsmodell. Business Insider beschreibt ein Geflecht aus mindestens 14 Firmen. Kraemer selbst hatte einen Gesamtumsatz in der Größenordnung von knapp 100 Millionen Euro im Jahr 2025 als ungefähr zutreffend bezeichnet. Besonders interessant: Die klassische Tuning-Werkstatt soll inzwischen nur noch rund vier Prozent des gesamten Umsatzes ausmachen. Das eigentliche Geschäft liegt längst viel breiter. Dazu gehören unter anderem Merchandise und Kleidung, Autopflegeprodukte, Gastronomie, Events, Medien und das PACE Automuseum in Dortmund.

WDR spricht von rund 80 Mitarbeitern in Kraemers Unternehmen. Andere Berichte nennen in der gesamten Unternehmensgruppe höhere Zahlen. Wenn Kraemer seine Ankündigung tatsächlich vollständig umsetzt, betrifft seine Entscheidung deshalb nicht nur ihn persönlich. Es geht um zahlreiche Arbeitsplätze, Mietverträge, Fahrzeuge, Immobilien, Warenbestände, Kooperationen und bestehende Gesellschaften. Ein Unternehmen dieser Größenordnung lässt sich natürlich nicht innerhalb eines Nachmittags einfach „abschalten“. Was Kraemers Aussage juristisch und wirtschaftlich konkret bedeutet, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Partner reagieren bereits

Noch bevor Kraemer die komplette Schließung ankündigte, begannen Geschäftspartner, sich von ihm zu distanzieren. Besonders öffentlich war der Schritt von GÖNRGY, der Energy-Drink-Marke rund um MontanaBlack. Das Unternehmen erklärte aus gegebenem Anlass die Zusammenarbeit mit Jean Pierre Kraemer zu beenden und distanzierte sich ausdrücklich von Gewalt gegen Frauen sowie Gewalt generell. Kraemer war seit 2025 Markenbotschafter und hatte 2026 sogar eine eigene Artist Edition mit der Marke veröffentlicht. Auch Borussia Dortmund reagierte. Erst im Frühjahr 2026 war eine gemeinsame BVB-x-JP-Performance-Kollektion erschienen. Der Verein bestätigte anschließend, dass die Kollektion nicht mehr Bestandteil des Sortiments sei und nicht mehr über die BVB-Webseite verkauft werde. Darüber hinaus berichteten mehrere Medien, dass auch weitere Marken und Plattformen Inhalte oder Kooperationen überprüft beziehungsweise entfernt haben. Unter anderem wurden ältere „PS Profis“-Folgen bei Joyn entfernt. Auch ein Porsche-Archivbeitrag mit Kraemer soll offline genommen worden sein.

Hier sieht man ziemlich deutlich, wie stark ein Unternehmen wie JP Performance an der Person JP Kraemer hängt. JP Performance ist keine klassische Firma, bei der ein Geschäftsführer problemlos ausgetauscht werden kann und die Marke danach unverändert weiterläuft. JP ist die Marke. Sein Gesicht, seine Stimme, seine Art Autos zu erklären, seine Sprüche und seine Persönlichkeit sind seit mehr als einem Jahrzehnt praktisch untrennbar mit dem Unternehmen verbunden. Das war jahrelang die größte Stärke des Geschäftsmodells. In einer Krise wird es zur größten Schwäche.

Drohung gegen das PACE Museum und gespaltene Community

Die Situation ist inzwischen außerdem über die eigentlichen Vorwürfe hinaus eskaliert. Am Freitag nach Bekanntwerden der Vorwürfe erhielt das PACE Automuseum in Dortmund eine anonyme Drohung. Laut Medienberichten kündigten Anrufer an, das Gebäude werde „auseinandergenommen“. Daraufhin rückte die Polizei an. Das Museum und weitere Kraemer-Betriebe wurden vorsorglich geschlossen beziehungsweise geräumt. Ganz wichtig: Eine solche Drohung ist natürlich durch nichts zu rechtfertigen. Kritik, die strafrechtliche Aufarbeitung möglicher Gewalt und die geschäftlichen Konsequenzen sind eine Sache. Drohungen gegen Mitarbeiter, Gebäude oder unbeteiligte Menschen sind etwas völlig anderes.

Wer sich Kommentare und Diskussionen rund um JP Performance anschaut, sieht aktuell praktisch das gesamte Spektrum. Ein Teil der Community reagiert enttäuscht und wendet sich klar von Kraemer ab. Andere Fans akzeptieren seine Entschuldigungen oder betonen, dass die juristische Aufarbeitung abgewartet werden müsse. Wieder andere kritisieren die Form seiner ersten Statements. Besonders kontrovers wurde diskutiert, dass Kraemer zunächst auch eigenes Opferverhalten beziehungsweise gegenseitige Gewalt thematisierte, während öffentlich bereits Aufnahmen kursierten und Julia Meck deutlich weitergehende Vorwürfe erhob. Auch der Satz aus seinem letzten Video, er sei „kein böser Mensch“, wird sehr unterschiedlich aufgenommen. Manche sehen darin einen Menschen, der tatsächlich verstanden hat, dass er Hilfe braucht. Andere empfinden den Fokus auf seine eigene emotionale Situation angesichts der Gewaltvorwürfe als problematisch.

Kann JP Performance wirklich komplett verschwinden?

Das ist momentan eine der interessantesten offenen Fragen. Kraemer sagt klar, dass er JP Performance nicht weiterführen und alle Unternehmungen schließen will. Aber zwischen einer emotionalen Ankündigung in einem YouTube-Video und einer tatsächlichen Liquidation zahlreicher Gesellschaften liegt ein großer Unterschied. Es gibt Mitarbeiter, Geschäftsführer, Mitgesellschafter, Gläubiger, Vermögenswerte, Verträge und möglicherweise langfristige Verpflichtungen. Denkbar wäre deshalb vieles. Einzelne Unternehmen könnten tatsächlich geschlossen werden. Andere könnten verkauft werden. Geschäftspartner oder Mitgesellschafter könnten Teile übernehmen. Markenrechte könnten weiterverkauft werden. PACE könnte theoretisch unter anderer Führung weiterexistieren. Aktuell gibt es dazu aber noch keine belastbaren Details. Deshalb wäre jede Behauptung, JP Performance sei bereits endgültig „weg“, verfrüht. Bestätigt ist bislang vor allem Kraemers Ankündigung, sich zurückzuziehen und die Unternehmen schließen zu wollen.

Am Ende geht es nicht um Autos

Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick wie der Absturz eines großen Auto-YouTubers. Eigentlich geht es aber um etwas anderes. Jean Pierre Kraemer hat selbst eingeräumt, gegenüber seiner Frau körperliche Gewalt angewendet zu haben. Gleichzeitig stehen weitere schwere Vorwürfe im Raum, die strafrechtlich und juristisch geklärt werden müssen. Dass daraus Konsequenzen entstehen, ist deshalb keine überraschende Entwicklung. Was die Situation so außergewöhnlich macht, ist die Größe des Unternehmens, das an seiner Person hängt.

JP Performance hat über mehr als ein Jahrzehnt gezeigt, wie weit man eine persönliche Internetmarke ausbauen kann: von YouTube über Werkstätten und Kleidung bis zum Museum. Jetzt sehen wir die andere Seite dieses Modells. Wenn die Person im Zentrum einer Marke in eine existenzielle Krise gerät, gibt es kaum eine Trennung zwischen Privatperson, Influencer und Unternehmen. Innerhalb weniger Tage wurden aus einem privaten Konflikt Polizeiermittlungen, eine öffentliche Debatte, verlorene Kooperationen und schließlich die angekündigte Schließung eines Firmenimperiums. Wie diese Geschichte endet, ist am 1. September 2026 noch völlig offen. Klar ist nur: Für JP Kraemer, Julia Meck, die Mitarbeiter von JP Performance und die gesamte deutsche Auto- und YouTube-Szene dürfte es einer der einschneidendsten Fälle der vergangenen Jahre sein.

Quellen und weiterführende Berichte: WDR, Tagesschau, Business Insider, t-online, RTL, Auto Bild. Offizielle Anlaufstelle JP Performance: https://jp-performance.de/


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